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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 245

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Eine glückliche Ehe
Date
1908-01-01
Page
245 (sequence 16)
Language
German
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246 Und sie hat gesagt, die Frau Dokter muß ihr die Ehre geben und übermorgen ein Täßchen Kaffee mit ihr trinken, das war auch bestimmt der letzte Wunsch, den sie an die Frau Dokter hätt. Und sie hat gleich vom Monatsgeld genommen, das ich ihr gebracht Hab' und ist zu Siebert rüber, um Kaffee zu holen, von der besten Sorte." Die Stube der alten Herz war sestlich geschmückt. Eine Guirlande von Tannengrün mit roten Papierrosen umgab die Tür. Hoch oben saß ein Schild mit der Aufschrift: Willkommen tapferer Krieger! — Es paßte nicht so recht auf den vorliegenden Fall, aber es machte doch einen sehr feierlichen Eindruck. Der Kaufmann hatte es auf die Papierrosen „zugegeben", er konnte es so wie so nicht mehr verwenden, da es ein altes „Dessin" war. — Zwei rote und zwei blaue Tassen standen auf einem weißen „Tafeltuch", wie Röschen sich ausdrückte, und es gab sogar Kaffeelöffel. Der Kaffee stand fertig auf dem kleinen Ofen und nur der Kuchen fehlte noch, den brachte der Ehrengast erst mit. — Das schiefe Schanettchen stand vor der Tür und wartete auf Frau Dr. Stern. Aber nicht Sehnsucht hatte sie auf diesen Wachtposten gestellt. O nein, sie hatte andere Gründe. Wenn ihr der Kaffee schmecken sollte, mußte sie erst ihre Seele durch die Mitteilung einiger Dinge entlasten, von denen sie drinnen nicht gut sprechen konnte. Der Ehrengast mußte erfahren, was für eine Seele von Mensch, sie, das Schanettchen war, da sie sich trotz der bitteren Feindschaft wegen der schwarzen Schürze herabließ, dieses Fest der Wiederkehr mitzufeiern. „Ich tu mer ja Zwang an", sagte sie, und sie bildete sich sogar wirklich ein, es zu tun. — Dann mußte man daraus aufmerksam machen, daß das Tafeltuch früher einmal auf nichr ganz reelle Weise ins Haus gekommen. „Das weiß die ganze Stadt, aber wer wird über so was sprechen?" — Als ihr das Warten zu langweilig wurde, entschloß sie sich, der Frau Doktor entgegen zu gehen. „Merkwürdig von die feinen Leut, daß sie nie 16

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