Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 241 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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241 „Ein Tag ist wie der andere, schlecht sind se all mit 'nander." „Na, Röschen, wer so wie Ihr mitten in der schönen Sonne sitzt, der sollte sich nicht beklagen." „Was Hab ich von der Sonn? Sie ist da oben, un ich bin hier unten und krieg wenig genug Wärm davon ab." „Ihr seid nun mal ein bischen frostig, habt zu wenig Blut, aber 's wird schon noch reichen, Röschen. Sonst gehts Euch doch jetzt gut?" „Was heißt gut?" „Na, Ihr habt Eure Ruh und Euren Frieden, und der Samuel ist gut aufgehoben im Asyl." „Wie mer's nemmt." „Was soll das heißen, hat er nicht alles, was er braucht?" „Er hat." „Ja, das ging nun mal nicht anders. Sie konnten Euch nicht nehmen, weil sie nur Platz für einen Mann hatten. Die Hauptsache war aber doch, daß Ihr auseinander kamt. — Aber wartet mal ... da fällt mir ein . . . ich Hab so was gehört, als ob im Altfrauenhaus .." „Geben Se sich kein' Müh, Frau Dukter, ich will in kein Asyl un will in kein Altfrauenhaus, ich will in mei Stub bleiben." „Was beklagt Ihr Euch denn?" „Aber in mei Stub — ich weiß nich — es is mer so leer da." (LO leer 2" „Ja, es fehlt mer was." „Das habt Ihr neulich dem Herrn Gans schon gesagt, und wir haben Euch doch gleich den schönen Lehnstuhl besorgt." „Das is schon lang her, da war der Muel noch da." „Also, was fehlt Euch denn jetzt noch? Wollt Ihr vielleicht 'ne Fußbank haben oder ein Kissen? . . ." „Ich brauch kein Kissen un brauch kein' Fußbank." „Ja, dann weiß ich wirklich nicht." . . . „Ich weiß selber nit, aber . . . 's is mer so leer."