Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 239 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114454--3059-3114707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
239 „Frau Dokter wird's schon machen. Die Frau Dokter macht aus 'ne Frau 'n Mann, wenn 's sein muß. — Adieu Frau Dokter/' — Frau Dr. Stern wandte sich wieder ihren englischen Hallunken zu. Sie schrieb ihr Kapitel zu Ende. Dann machte sie sich daran, dem Vorstand des Altersheims den Umtausch einer alten Frau in einen alten Mann vorzuschlagen. Der Vorstand des Altersheims wunderte sich doch ein wenig, als der von der Frau Dr. Stern so warm empfohlene alte Mann eintraf. — „Sie sind doch noch ganz kräftig und gesund und noch sehr rüstig für Ihr Alter," meinte Herr Freund, der Vorsteher des Asyls. „Die Zähn' Hab ich noch, unberufen, un 'n Brill brauch ich auch noch nit, unberufen, un was mein Magen is, unberufen . .. nur eins, Herr Vorsteher, Rotkohl der bekommt mer nicht." „Nun, ich denke die Kost wird Ihnen Lei uns schon zusagen, eine bestimmte Krankheit haben Sie ja nicht, also ..." „Unberufen nein, Herr Vorstand, 'ne Krankheit Hab ich nich, ich Hab nur 'ne Frau unberufen." „Was meinen Sie damit?" „Ich will mer nit beklagen, aber se hat unberufen fufzig Jahr mit mir geschimpft . . ." „Ja, ich hörte Sie haben im vergangenen Jahr die goldne Hochzeit gefeiert, und ich muß Ihnen sagen, es wundert mich eigentlich, daß sie sich auf Ihre alten Tage noch von Ihrer Frau trennen wollen. Die Frau Dr. Stern schrieb mir aber, es sei Ihr Herzenswunsch, in unser Heim ausgenommen zu werden." „Gott, Herr Vorsteher, Sie wissen garnich, was mer sich in so e langer Zeit zuwidder wird." Herr Freund lächelte vor sich hin. Es war ein wunderliches Stückchen Erdenland, das er nnt bebauen