Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 238 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Dornstrauchs, der seine Dornen einem Volk gegeben, das Waffen brauchte und keine andern besaß. — „Ihr werdet Euch also wieder vertragen, Röschen? Seien Sie die Vernünftige und geben Sie ihm zuerst ein gutes Wort." „Nich mehr sehn kann ich 'm." „Na, dann Hab ich hier ja nichts mehr zu tun; ich möchte nur wissen, warum Ihr mich rufen laßt." „Frau Dukter, — es klang so etwas wie Rührung durch die Stimme der alten Frau, — ich bin schon bei Jahren, was kann ich noch groß vom Leben haben, aber ein'n Wunsch, den hätt' ich noch . . ." Frau Dr. Stern setzte sich wieder hin, nahm eine der abgezehrten Hände und streichelte sie. „Na vertraut Euch nur mir an, Röschen, Ihr wißt ja" . . . „Frau Dukter, schasst mir den Mann vom Hals." Frau Dr. Stern hatte sich sehr bemüht, der alten Frau Herz einen Freiplatz im jüdischen Altersheim der benachbarten Provinzialhauptstadt zu erwirken. Nun schrieb man, daß wohl ein Platz für einen Mann, aber nicht für eine Frau frei wäre. „Was machen wir da?" wandte sie sich an Frau Blaustein, die, wieder mit sämtlichen Klagen der anspruchsvollen Gemeindearmen belastet, vor ihr saß. „Könn'n wir nich den Muel schicken statt dem Röschen?" „Wir können doch nicht den kräftigen Mann hinschicken. Die Frau braucht Pflege." „Gott, Frau Dokter, wenn die beiden nur auseinander sind, das is schon Pflege genug." „Aber ich habe doch geschrieben, daß die Frau so schwach ist und gute Pflege braucht. Denken Sie, das Altersheim nimmt so ohne Weiteres jeden auf, der sich gern verpflegen lassen möchte, ohne krank oder gebrechlich zu sein?" „S' Alter ist auch 'ne Krankheit." „Na, ich will mal sehen" ... — Frau Dr. Stern biß auf ihren Federhalter und dachte ein wenig nach — „vielleicht läßt es sich machen."