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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 237

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Eine glückliche Ehe
Date
1908-01-01
Page
237 (sequence 8)
Language
German
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— 237 — Paar alte Leute wie Ihr, nur immer so zanken, Ihr müßtet Euch doch nun schon kennen." „Grad deshalb." „Was heißt das?" „Nu weil ich weiß, er sagt's bloß, weil ich mer drüber kränk und nich, weil er denkt, der Nathan war wirklich mei Vetterssohn gewesen. — Un ich will Ihn nur sagen, er schimpft auch immer übers Essen. Er sagt, was die Löwenthals sind, die nemmen Oel, un was die Silbermanns sind, die haben jedesmal Rotkohl, un der liegt 'm schwer in 'n Magen, sagt er, un warum? Weil er 'n nit mag. Nur das Essen von de Frau Dukter, an das hat er nix auszusetzen, da sagt er, es is „mit Liebe" gekocht." „Das ist ja sehr schmeichelhaft für meine Köchin." „Das Hab ich 'm auch gesagt, ich Hab ihm gesagt: Denkste, Du Schlehmil, was de Frau Dukter is, die stellt sich selbst in ihre Küch un kocht, ausgerechent for Dir „mit Liebe"? Hab ich 'm gesagt. Un so gut is's Essen von de Frau Dukter auch nich, Hab ich 'm gesagt. Ich will Ihn' nich beleidigen, Frau Dukter, aber das letzte mal war mer zu viel Muskat am Gemüs." — Frau Dr. Stern lächelte vor sich hin. Sie hatten ja ganz recht diese alten Leute, warum sollten Almosenempfänger nicht auch Kritik üben dürfen? Warum sollten sie abstumpfen gegen gut und besser? Sie selbst hatte sich auch genug gewehrt gegen das Abgestumpftwerden gegenüber den Feinheiten des Lebens. — Aber ihr Lächeln ging ein wie eine Blüte unter der Kälte. Nein, hier lag die Sache anders; hier war es Bosheit, Beschränktheit, hier regte sich einer der scharfen Dornen, die stechen wollen, um zu stechen. Sie verlor sich in Gedanken. — „Aber 's Kumpott war gut," sagte jetzt Röschen, der das lange Schweigen unbehaglich wurde, beschwichtigend. Frau Doktor Stern blickte auf und sie fand sich gleich wieder in der kleinen Stube zurecht, die sie eben im Geiste verlassen hatte, um zurückzuwandern in vergangene Jahrhunderte, um hinein zu.spähen in die engen Gaffen der Ghetti, wo sich vielleicht die Wurzel fand des

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