Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 232 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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232 regte alte Frau zu beruhigen. Aber die hielt zäh an den einen Gedanken fest. „Ich werd 'n berauchen." — Da kam der Missetäter. Langsam stolperte er heran, so daß der braune Deckelkorb in seiner schwerherabhängenden Hand bedenklich schwankte. Das gutmütige, rote Gesicht leuchtete vor Lebensfreude. Mit der linken Hand hielt er den Kopf seiner kleinen Deckelpfeife zärtlich umfaßt. - „Roßbüff, Rösche!" rief er schon von weitem und blinzelte auf den Korb hinab. Röschen ignorierte es. „Woher nimmste Geld for Tabak?" Mehr konnte sie nicht herausbekommen, aber es lag eine solche Wucht in den wenigen Worten, daß der unschuldige Samuel den Kops beugte als ob er schuldig sei. „Nu, ich Hab doch 'n . . ." sing er an zu stottern. „Was haste?" „Ich Hab doch für die Frau Dukter, 'n Brief besorgt, hat se mer gegeben 'n Groschen." ,,'N Brief? Was für 'n Brief?" — Röschens Neugier überwuchs ihren Zorn. ,,'n Brief." „Wo hast 'n hingetragen?" „Nach 'm Haus Hab ich ’n getragen." — Muel setzte gemächlich seinen Korb auf die Bank und klopfte dann langsam seine Pfeife aus. „Hörste, Schanettche er hat 'n Brief nach 'n Haus getragen; nit nach 'n Mann oder 'ne Frau, nach 'n Haus hat 'r 'n getragen, Hörste?" „Ich hör," sagte Schanettche». „Haste mer doch wieder verklatscht, Schanettche" — Muel setzte sich friedfertig zwischen die beiden Frauen. „Woher wußt ich, daß Du 'n Groschen geschenkt gekriegt hast? — Ich Hab Dir auch dafür wieder in Schutz genommen, ich Hab gesagt, ihr taugt all nix, aber rauchen muß sein, mal hier, mal da. — Aber was soll ich mer aufhalten mit Dir? Ich Hab mehr zu tun, als mich um andere Leuts Sach zu kümmern." — Damit humpelte sie fort. —