Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 231 (sequence 2)
- Language
- German
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231 „Wo er sich wieder rumtreibt, der Bummler? Die -LUpp wird er auch wieder verschütten." — Quer über den leer gewordenen Platz kam das schiefe Schanettchen. — „Nu, wie is's?" „Wie is's? Wie kanns sein? Hunger hat me." „Hunger ist der beste Koch," zitierte Schanettchen. — „Drei Hochzeiten hat me nu gefeiert mit so'n Mann im nix als Aerger." „Gott, Rösche, wenn ich denk an Eure gold'ne Hochzeit vorig Jahr, un wie ich mer da Hab den Magen verdorben. Nein, so en schönes Fest!" „So'n Mann. Nix als Aerger," brummte Röschen. „Nu, was hat's denn wieder gegeben?" „Wa's gegeben hat? Fort is 'r 's Essen holen von der Frau Dukter, un meinste, er kam wieder?" „Nu er wird schon. Um Mittag is immer ze wenig Bedienung in Sieberten sein Laden.". „Was hat mein Muel mit Sieberten seine wenige Bedienung zu tun?" „Weil er doch steht un hat schon zweimal Tabak gefordert un'n noch nit gekriegt" — Röschen sah Schanettchen an, als ob sie sie mit den scharfen grauen Augen erdolchen wollte. Die Worte versagten ihr. Schanettchen freute sich; sie hatte immer eine stille Freude, wenn es was zu Hetzen gab. „Gott en Mann! Laugen tun sie all nix, aber 'u bische zu rauchen müssen se haben." Nun aber brach Röschen los. „Rauchen, wir, Leut', die nich's Hemd haben über'n Leib. Leut', die aus der Armenkass' kriegen. — Wer hat's Geld durchgebracht, un wer raucht? Ne Sünd und ne Schand is's bei Gott. Aber wart, ich werd'n berauchen, ich werd" . . „Gott Rösche, Du schad'st D'r. Wirst wieder Deinen Husten kriegen." „Ich werd 'n berauchen." .... „Schlecht is 'r nich Dein Muel, er hat's nur niit die Leidenschaften," suchte Schanettchen jetzt die aufge- 15*