Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 230 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Josefa Metz. Röschen Herz saß auf der dritten Bank am Kastanienufer und ließ sich die Sonne auf den Rücken scheinen. „Ich will was von mei Sommer haben," sagte sie, wenn sie sich gerade um die Zeit hinaussetzte, zu der andre Leute sich vor der Sommerhitze ins Haus zurückzogen. „Wie lang kann se mer noch bescheinen, die Sonn? Wenns hoch kommt, un der liebe Gott laßt mer gesund, noch 30 Jahr!" Damit bewies sie ein starkes Gottvertrauen, denn sie ging ins fünfundsiebenzigste Lebensjahr. Aber wenn ihr Körper auch gebrechlich war, Verstand und Zunge hatten ihre jugendliche Kraft und Schärfe bewahrt.- „Wo er wieder bleibt, der Schlemihl?" murmelte sie ärgerlich vor sich hin.- Von den Kähnen her, die wie schwerfällige Käfer auf einem schmalen Blatt, auf der grünen Kanalfläche lagen, drangen Kohl- und Kartoffeldüfte zu ihr herüber. Schulkinder drängten in Gruppen vorbei. Fabrikpseifen gellten durch den Straßenlärm. Eine starke Macht schien die wandernden Menschen an sich zu reißen. Sie verliefen wie Waffer im Sande und ließen Staub, Hitze und Dünste in den Straßen zurück. — Röschen krampfte ihre Hände fester um die alte Schirmkrücke, ihr Magen knurrte. —