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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 227

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
227 (sequence 52)
Language
German
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227 Franzos war ein in sich gefestigter, edler Mensch. Er war ein unermüdlicher Arbeiter, von starker Energie erfüllt. Wohl besaß er Selbstbewußtsein und verschmähte heuchlerische Bescheidenheit, aber wie von Selbstunterschätzung, war er von Überschätzung entfernt. Zeugnis dafür mögen zwei Aeußerungen an seine Gattin ablegen: 1878, 20. Juni: „Es ist mir so schöpfungsfreudig zu Mute, wie seit lange nicht mehr. Ich weiß ja, ein wahrhaft großer Dichter, ein Stern am Himmel werde ich nicht werden, weil ich mein Talent nicht so hoch emportragen kann, aber vielleicht werde ich doch ein irdisches Licht, welches Einzelnen die Nacht erhellt"- 1881, 29. August. „Ich habe mir — weiß Gott wie oft schon! — immer so im stillen für mich gedacht, daß doch eigentlich nur die großen Dichter die Tröster und Erheber der Menschen sind, während wir mittleren trotz allen Gemüts doch eigentlich nur ihre Qual mehren, weil wir wohl an alles Leid tasten und es aufrühren, aber nicht das Wort finden es zu lösen oder gar zu tilgen und sei es nur auf Momente! Und wie oft habe ich mir in Augenblicken, wo etwa glückliche, gläubige Menschen zu beten pflegen, gewünscht, einmal im Leben eine solche Kraft in der eigenen Seele fühlen und auf andere ansströmen zu können, einmal ein wirklich gutes Werk zu schaffen, einmal ein großer Dichter zu sein". Er hegte freudigen Optimismus. Mochte er auch manches Hemmende in seinen Bestrebungen erkennen, mit anschauen, daß manche Stürmer und Dränger über ihn hinweggegangen waren, so hoffte er auf den Sieg dessen, was er für Recht hielt. Auch für ihn galt das Wort, das er seinen Mitstrebenden zurief: „Wir aber wollen tapfer bleiben, auch unser Schiff wird den Hafen erreichen." Er strebte nicht nach leerem Schein, geizte nicht nach äußeren Ehren: seine Brust schmückte kein Orden, seinen Namen kein Titel.

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