Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 226 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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226 Dieses Buch, 1905 aus beut Nachlaß gedruckt, unmittelbar vor diesem Druck in einzelnen deutschen, * einige Jahre früher in ausländischen Zeitungen erschienen, hat eine Vorrede, die übrigens großen autobiographischen Wert besitzt, vom 15. Juni 1893. Damals war es fertig; es wurde in Buchform nicht veröffentlicht, weil der Autor meinte, jene Zeit der Hochflut des Antisemitismus sei für die Herausgabe eines derartigen Judenromans ungeeignet. Diese Entsagung hat etwas geradezu Wunderbares, — ich kenne in der Literaturgeschichte kein Beispiel, daß ein fruchtbarer Autor, der fast Jahr für Jahr ein Opus auf den Markt brachte, fein reifstes und gediegenstes mehr als ein Jahrzehnt zurückhielt. Aber dem Ruhm von Karl Emil Franzos wurde diese nachträgliche Offenbarung nur zum Segen. Während der Nachlaß anderer Autoren Zurückgelegtes, weil der Veröffentlichung Unwertes zur Erscheinung brachte und dadurch das Ansehen der Verfasser schädigte, hat dieses gediegene Werk mehr als irgend ein anderes das große Können des Heimgegangenen deutlich bekundet und die Nachwelt seinen Verlust um so tiefer fühlen lassen. * -i- * Bis in die letzten Jahre erfreute sich Franzos im Ganzen einer guten Gesundheit. Zwar wurde er manchmal von einem schmerzhaften Jschiasleiden heimgesucht, aber sein robuster Körper überwand diese Leiden und widerstand auch den ungeheuren Anstrengungen, die er sich zumutete. Im Jahre 1903 meldete sich ein ernster schwerer Ansall; Ende Dezember dieses Jahres erkrankte er und erlag nach vierwöchentlichem, mit größtem Heroismus ertragenem Leiden seiner Krankheit, am 28. Januar 1904. Am 31. wurde er auf dem Friedhöfe zu Weißensee in einem von der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellten Ehrengrabe beigesetzt.