Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 228 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Er besaß Treue in der Freundschaft: noch in dern letzten Jahre suchte er einen Freund auf, mit dem er die Universität besucht hatte, um die alten Bande fester zu knüpfen; sein letztes Gedenkblatt, das schon zu der Zeit erschien, da er ans Krankenzimmer gebannt war, ist einem Kameraden gewidmet, mit dem er die Schule besucht hatte. Manche seiner Lebensbündnisse dauerten bis zuletzt. In dem großen Kreise von Bekannten und Freunden war er nicht nur zeitweise ein Gast, sondern der gern gesehene Vertraute, den Große und Kinder als den Ihrigen betrachteten. Gewiß war er nicht frei von menschlichen Schwächen, aber er kämpfte gegen sie Zeit seines Lebens. In diesen Kämpfen und zumal am Ende seines Lebens bewährte er sich wie ein Held. Mit heroischem Mute ging er dem Tode entgegen. Er lebte den Seinen. Es ist oben dargelegt, wie er das Andenken seines Vaters ehrte, wie er Mutter und Schwestern unterstützte. Der Familie seiner Frau schloß er pch aufs engste an, es war seine Familie geworden; dern einzigen Neffen galten seine letzten Gedanken. Er war ein trefflicher Gatte. Er starb an seinem Hochzeitstage; vielleicht daß er in einem seiner letzten Momente das als ein Glück pries, an dern Tage heimzugehen, der ihrn die zugeführt hatte, die ihm seine Krone, des Hauses Sonne und die Wonne aller derer war und ist, denen es vergönnt ist, ihr zu nahen. Er bleibe der Nachwelt erhalten. Das Wort, das Goethe in der Trauerfeier brauchte, die er seinem Schiller plante, „seine schlummerlosen Nächte haben unseren Tag gehellt", darf man auch auf ihn anwenden. Erhellung und Aufklärung war das Streben seiner arbeitsreichen Tage und seiner schlummerlosen Nächte. Und so kann er als rühmliches Beispiel uns und den folgenden Geschlechtern vorgehalten werden. Als Juden, daß wir wie er den Kampf aufnehmen gegen Untugenden und Laster und bei aller Wahrung der Eigenheit und der tausend-