Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 224 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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224 hüten, aber es gelingt ihr nicht. Der Pojaz besucht alle möglichen Talmudschülen, verläßt sie nach entsetzlichen Qualen, die er dort erduldet. Als Handwerker hält er es nirgends aus. Die Abneigung gegen das seßhafte Leben, der komische Nachahmungstrieb, der ihm als einziges Erbe seines Vaters geblieben ist, bereiten ihm den Unwillen seiner Brotherren, daneben freilich auch die Bewunderung des Publikums. Nun wird er Fuhrknecht. Bei einer Fahrt wohnt er der Vorstellung einer Schauspielergesellschaft bei und erlangt von dem Direktor Nadler, der das große Talent des Jünglings erkannt hat, das Versprechen, in die Truppe ausgenommen zu werden, sobald er deutsch gelernt habe. Die Erlernung dieser Sprache gilt in dem jüdischen Ort als todeswürdiges Verbrechen. Der Pojaz erwirbt diese Kenntnis durch entsetzliche Mühen, zuerst bei einem strafversetzten Soldaten, sodann in der Bibliothek des Dominikanerklosters, endlich durch heimliches nächtliches Studium in seinem Zimmer. In den eiskalten Räumen des Klosters legt er den Keim zur Schwindsucht. In einem Geistlichen findet er einen Lehrer, der ihm das Verständnis für die dramatische Literatur erschließt und ihn in die Technik der Rezitation einweiht. Aber sein Frevel wird durch die Gemeinde entdeckt, er wird vom Rabbiner in den Bann getan und verfällt in eine schwere Krankheit. Halb genesen übernimmt er zeitraubende Arbeiten und erlangt durch Zufall eine bescheidene Summe, die ihm erlaubt, kurze Zeit von seinen Mitteln zu leben. Er macht sich auf den Weg zu seinem Gönner Nadler, mit dem er immer in Verbindung geblieben war, kann zwar beffeit Aufenthaltsort Czernowitz nicht erreichen, da er durch einen furchtbaren Schneesturm und durch den Eisgang des Dnjestr zurückgehalten wird, wohnt aber in dem kleinen Orte, in dem er gezwungen einige Tage verweilt, den Vorstellungen einer Schmiere bei, wird von einem Mitgliede der Gesellschaft in seinem großartigen Talent erkannt und entschließt sich nach anfänglichem Widerstreben dieser Gesellschaft zu folgen. Bevor er aber seine Mission ausführen kann, wird er von seiner Pflegenmtter heim-