Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 218 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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218 bisher die Not gelindert; wir haben die Unglücklichen bisan die fernen Gestade ihrer neuen Heimat geleitet imb sie auch dort nicht hilflos gelassen. Diese Mittel gehen zu Ende, die Not aber ist im Wachsen. Die Zahl der Flüchtlinge, die Schwierigkeit, ihnen neue Wohnstätten, neuen Unterhalt zu schaffen, wird immer größer. Darum haben wir uns entschlossen, auch auf diesem Wege das Erbarmen für die Unglücklichen anzurufen. Möge das werktätige Mitleid gleich groß sein wie die Not, die gelindert werden soll. Und so bitten wir alle, alle, die menschlich fühlen, uns ihre Spenden bald und reichlich zukommen zu lassen". In der Debatte über diesen Aufruf, den der Vorsitzende als „nach Form und Inhalt gleich schön" charakterisierte und in der Beratung über die Zentralisierung der Geldmittel ergriff Franzos mehrmals das Wort. Er trat energisch für Zentralisierung der Mittel ein. Als Referent der Kolonisationskommission erstattete er einen sehr ausführlichen Bericht (S. 78—106 der angeführten Druckschrift). Er berichtete über die vielfachen Arbeiten der Kommission, die alle Weltteile durch genommen hatte, besprach besonders die Bestrebungen der Flüchtlinge, nach Palästina zu gehen und setzte lichtvoll die Gründe auseinander, warum von dieser Kolonisation Palästinas abgesehen werden müsse. Er empfahl als das einzig mögliche Land Mittel-Brasilien, und zwar die Provinz San Paulo, schlug vor, dort eine Kaffee-Plantage zu kaufen, wo für die Kolonisation von 600 Personen je 1000 Mark erforderlich seien und schloß seinen Bericht mit folgenden Worten: „Lassen Sie mich mit einem Wunsche schließen, der hoffentlich keim pium desiderium bleiben wird. Wir haben ein Gebiet betreten, auf welchem sich die Gegensätze unendlich scharf gestaltet haben. Möge nur ein Wetteifer unter uns sein: Wer das Meiste dafür leistet, daß jenen Unglücklichen geholfen wird. Und glaubt Jemand, daß der Andere auf keinem ganz vollkommen richtigen Wege ist, hält er nur den eigenen Weg für den richtigen, dann sage er es. Aber er sei Glicht unduldsam.