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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 214

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
214 (sequence 39)
Language
German
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214 Gott seine rettenden Engel als Streiter geliehen hätte. Menschen aber werden ohne Zwang nur dann ihre Haut zu Markte tragen, wenn sie einen persönlichen Vorteil davon haben, wenn der Lohn der Gefahr entspricht", ist doch nur in gewissem Sinne seine Ansicht. Aber bei diesem Werke handelt es sich nicht nur um die Idee, um die groß angelegte Tendenz, sondern um die Ausführung im Einzelnen. Als Charakterstudie in lobenswertem Sinne konnte man auch den Präsidenten rühmen, aber hier trat die Umgebung durchaus zurück und man hat die Empfindung, als fühle sich der Verfasser in dem Milieu nicht recht zu Hause; in unserem Werke dagegen tritt dem in mustergültiger Weise geschilderten Helden alles andere gleichwertig zur Seite: Nebenfiguren, Landschaft, Umgebung. Es ist ein Buch von bleibendem Wert, weil hier, wiederum nach einem Fuldaschen Worte „eine bedeutende Idee fast ohne Rest in Gestalten aufgegangen ist". So hohes Lob nun auch „dem Kampf ums Recht" zu spenden war und so sehr Franzos in seinen Gestalten lebte, — er schrieb einmal an seine Frau 1880: „ich rolle eben meinen Taras hinab und durch meine Seele gehen dabei Schauer, wie ich sie nie ähnlich empfunden. Nie habe ich eine meiner Gestalten so innig geliebt, ich lebe in ihm und sein Wehe ist mir eins, das nicht von mir abhängt" — in unserem Zusammenhänge erscheint doch „Moschko von Parma" als das hellste Juwel in der Dichterkrone. Auch darüber gibt es eine merkwürdige Aeußerung des Dichters, 24. Juni 1880: „Uebrigens wie immer es dem Moschko ergehen mag, ich werde nie bereuen, ihn veröffentlicht zu haben und sollte es ein Mißerfolg für den Markt sein, so ist es doch ein Erfolg für die literarische Bedeutung gewesen und das soll mir genug sein." Moschko (der Name „von Parma" stammt davon, daß er beidemsobezeichneten Regimente dient), ein starker Barnower Judenknabe, will als Vierzehnjähriger beim Militär eintreten, wird zurückgewiesen und kommt zu einem Schmied in die Lehre. Er will zeigen, daß auch ein Jude zu diesemHandwerk taugt und bewährt sich vortrefflich. Er erhält einen christlichen Mit-

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