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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 213

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
213 (sequence 38)
Language
German
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218 Institution, als notwendiges Fundament des menschlichen Lebens". Vor Kleist aber hat Franzos den großen Vorzug, daß er nicht wie jener in entlegene Zeiten und fremde Zustände hinabzusteigen braucht, die er sich aus einem mühsamen Studium der Quellen konstruieren mußte, sondern daß er diesen Helden in die ihm bekannten Gegenden Halbasiens versetzte. Damit gewinnt er nicht nur den Vorteil, sein eigenes Feld anzubauen, sondern auch den, das einzig mögliche Gebiet für die Erzählung zu erhalten, weil ein Charakter, wie der von ihm geschilderte, sich viel besser dort als innerhalb der Gesellschaft des Westens entwickeln konnte. „Die Geschichte" — ich entlehne diese kurze Inhaltsangabe Fuldas bereits erwähntem Aufsatz — „des Taras ist eine Tragödie ergreifendster Art. Er, der treffliche und tief sittliche Mensch, hält mit inbrünstiger Treue an dem Glauben fest, daß alles in der Welt auf Gerechtigkeit gebaut sei. Deshalb packt ihn die Rechtsverletzung, die man dem Dorfe zufügt, in welchem er Richter ist, im Kern feines Lebens. Durch alle Instanzen, bis zum Kaiser hinauf sucht er sein Recht; denn es muß ja zu finden sein, sonst stürzt die Welt zusammen wie ein stolzer Bau, dessen Säulen einknicken. Aber es ist nicht zu finden und mit dieser zerschmetternden Ansicht geht in Taras eine furchtbare Wandlung vor. Er verläßt Weib und Kind; er entrollt in den Karpathen feine Fahne, unter der alle willkommen sind, die erlittenes Unrecht sühnen wollen. Er unternimmt einen blutigen Kampf gegen die Gesellschaft, da er sich von Gott berufen glaubt, die Gerechtigkeit herzustellen, die auf Erden nicht gefunden werden kann. Erst dann bricht er in sich selbst zusammen, wie er erkennt, daß er selbst ungerecht gewesen, daß er sich das Amt des Rächers angemaßt, ohne allwissend zu sein. Zugleich mit seiner Rechtsidee ist eine unwiderstehliche Riesenkraft zerstört; er stellt sich freiwillig seinen Verfolgern." Die volle, ganze Sympathie des Verfassers ist für seinen Helden, wenn er auch vielleicht manchmal an der Möglichkeit zweifelt, daß ein solches Tun Erfolg haben könnte. Was einmal die Freunde zu Taras sagten: „Dein Werk ließe sich nur ausführen, wenn Dir 14

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