Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 212 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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212 ist, durch die Vorführung der Jntriguen katholischer Geistlicher, die auf alle Weise, selbst mit unlauteren Mitteln, Seelen einzufangen bestrebt sind, die danach trachten, reiche Jünglinge, selbst gegen ihren Willen, in das Kloster zu ziehen, — aber einen recht befriedigenden Eindruck erweckt das Werk nicht. Vor: größerer Bedeutimg, ebenso wie das vorige einen Fall behandelnd, ist das Buch „Der Präsident" — von Franzos auch in einem Drania bearbeitet, das aber keinen Erfolg hatte. Hier sind die Seelenkämpfe nicht übergangen, sondern in guter Weise geschildert, aber die Vorgänge sind derartig, daß sie als unwahrscheinlich bezeichnet werden müssen und das höhere Rechtsgefühl nicht befriedigen. Der Präsident von Sendlingen, ein musterhafter, unbestechlicher Richter, erkennt in einem Mädchen, das wegen KindeSmordS zum Lode verurteilt werden soll, seine uneheliche Tochter. Er raubt sie aus dem Gefängnis, verheiratet sie, nachdem er dem Gatten zwar von ihrer Verführung, nicht aber von deni Kindesmord berichtet hat, stellt sich dem Minister und macht, da dieser ihn nicht dem Gericht übergeben will, seinem Leben selbst ein Ende. Auch hier wirkt manches peinlich, denn die Schuld, die der Präsident dadurch auf sich geladen, daß er einem braven Mann eine Verbrecherin überantwortet, ohne ihm ihre Schuld zu bekennen, wird mit seinem Selbstmord nicht gesühnt. Aber die Darstellung der Seelenqualen des Präsidenten ist eine hervorragende Leistung. Das bedeutendste Werk dieser Art ist „Ein Kampf ums Recht". Man hat das Buch häufig dadurch zu verkleinern gesucht, daß man es als eine Nachahmung des „Richters von Zalamea" oder der Erzählung „Michael Kohlhaas" bezeichnete. Fulda hat mit Recht auf den großen Gegensatz aufmerksam gemacht, der zwischen diesen Werken und dem Französischen Roman besteht. Die Helden in den beiden ersteren Werken „treten mit imponierender Stärke nur für ihr eigenes Recht ein. Taras streitet für das Recht anderer oder richtiger für das Recht überhaupt, für die Gerechtigkeit als heilige