Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 211 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Vier Werken, deren zeitliche Aufeinanderfolge diese ist: „Moschko von Parma", Geschichte eines jüdischen Soldaten, (Leipzig 1880, 3. Auflage 1899); „Ein Kampf ums Recht" (zwei Bände, Breslau 1882, 5. Auflage 1896); „Der Präsident" (Breslau 1884, 3. Auflage 1896); „Die Reise nach dem Schicksal" (Stuttgart 1895). Ludwig Fulda, der in einer feinsinnigen Studie („Die Nation" 1885, Nr. 4 und 5) gerade die Werke dieser Epoche analisiert und gewürdigt hat, wies darauf hin, daß zum Verständnis von Franzos Schaffen der Umstand sehr wichtig ist, daß er Jurisprudenz studiert hat. Nicht etwa in dem Sinne, daß er Kriminalromane schreibt oder ausschließlich Rechtsfälle behandelt, sondern in dem, daß er mit Vorliebe Fälle wählt, in denen das Rechtsbewußtsein verletzt wird oder das gebeugte mißhandelte Recht nach seiner Anerkennung, nach seinein Sieg verlangt. Schon in manchen kulturhistorischen Skizzen und Novellen der ersten Bände tritt dies Streben hervor, noch deutlicher in den Werken der Wiener Epoche. Zunächst in der „Reise nach dem Schicksal". Hier liegt ein sehr verwickelter juristischer und moralischer Fall vor. Ein Graf Hallsee schwört einem jungen Mann einen Eid (und zwar einen Meineid), daß dieser nicht sein Sohn sei, in der Absicht, ihn von dem Gedanken zu befreien, er habe mit seiner Schwester in Blutschande gelebt. Der Tod des unglücklichen Mädchens erlöst dann beide Männer von ihrer schweren Last. In dieser kurzen Erzählung der Fabel wird man freilich dem Buche nicht gerecht, das allerdings in seiner Komposition und Technik wohl eines der schwächsten unseres Verfassers ist. In der Komposition, weil der Graf Hallsee, der eigentlich Hauptheld sein müßte, in dessen Seele sich die entsetzlichsten Kämpfe abspielen, nur nebenbei geschildert wird. In der Technik, weil die Vorgänge nicht erzählt, sondern das Ganze als Reden des Jünglings, und zwar während einer Eisenbahnfahrt, mitgeteilt werden; Reden, in die auch große Erzählungen anderer eingeflochten werden. Gewiß soll nicht geleugnet werden, daß das Buch ungeheure Spannung erregt, daß es kulturhistorisch wichtig