Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 210 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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21S Erzählung nicht gestatteten. Der zweite Plan war der folgende: Im Jahre 1885 dachte er an einen jüdischen Literaturverein, wie sich aus einem Briese vom 14. Mai 1885, wahrscheinlich an Lazarus gerichtet, ergibt: „Ich meine einen Verein für jüdische Literatur nach dem Muster des einst bestandenen, den Philippson gründete. Wieviel wäre dadurch erreicht, wenn wir ihn aktivieren könnten: nicht mit; die Möglichkeit gute Schriften zu vertreiben, sondern auch welche Basis für jegliche Art der Agitation aus geistigem Gebiete. Was damals ging, müßte heute erst recht gehen und wäre heute gewiß noch viel nötiger als damals . . . Mir wird von allen Bekannten gesagt, der Verein blühte und ging nur an unpassender Auswahl des Gebotenen zu Grunde. Ich glaube nicht, daß große materielle Mittel nötig wären und was nötig wäre, wäre zu beschaffen. Also: wie denken Sie darüber und wären Sie bereit die Initiative zu ergreifen? Denn Wenns ein anderer tut, so gehts ja doch nicht." Aber auch nicht-jüdische Projekte erwog er mancherlei. Das wichtigste darunter ist das eines großen Wochenblattes nach Art der erst vor wenigen Jahren ins Leben getretenen „Oesterreichischen Rundschau". Es scheint, daß das Fehlschlagen dieses Planes zusammen mit der Erkenntnis, daß in Reichsdeutschland eine größere literarische -Tätigkeit zu entwickeln sei — schon die ersten Bücher unseres Schriftstellers erschienen daselbst, kein einziges, nicht einmal das „Dichterbuch aus Oesterreich" hat einen österreichischen Verleger — ihn in seinem Plane bestärkte, seinen Aufenthalt nach Deutschland zu verlegen. Die größeren selbständigen Arbeiten, die in Wien entstanden, sind die folgenden: „JungeLiebe". (Breslau18v9) anmutige Liebesgeschichten; „Stille Geschichten" (Dresden 1881) gut erzählte Novellen, besonders interessant dadurch, daß sie viel Selbsterlebtes verwerten; „Mein Franz" (Leipzig 1883), die einzige größere in Versen geschriebene Dichtung. Die Hauptbedeutung der schriftstellerischen Tätigkeit jener Zeit des blühendsten Mannesalters liegt aber in