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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 209

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
209 (sequence 34)
Language
German
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209 Auch Heines Zeitgenosse, in manchem ihm ähnlich, in vielen! fein Antipode, Ludwig Börne, mag für Franzos bestimmend gewesen sein. Der feurige Patriotismus des genannten, sein entschiedenes Eintreten für die Juden, zeigen sich bei dem Nachfolger ebenso lebhaft, wie die Mischung von Pathos und Ironie. Einzelne Aufsätze über Börne in seiner Zeitschrift bekunden Franzos großes Interesse für ihn; er dachte an eine Gesamtausgabe des mutigen, ein paar Jahrzehnte nach seinem Tode in ziemliche Vergessenheit geratenen Schriftstellers und würdigte ihn in einem an einen Verleger gerichteten Briefe 18cS0 folgendermaßen: „Börnes Bedeutung für die Gegenwart liegt meines Erachtens einerseits in dem großen und bleibenden Gesichtspunkte, den er in den Kämpfen seiner Zeit festhielt, andererseits in seinen unpolitischen Schriften. Er ist der mächtigste Vertreter der Humanität, den wir in unserer Literatur besitzen, und gilt dem Judentum, wie den Freiheitsparteien unserer Tage wie ein Heiliger. Der Reiz der Darstellung vollends ist ein unverwelklicher. Weil Börne über seiner Zeit stand, ist er der unseren so nahe und wird jeder Generation, wo sich Glaubenshaß und politische Unfreiheit regen, ein Mahner und Lehrer. Und ferner: er ist ein Humorist von unvergänglicher Bedeutung". Die schriftstellerische Tätigkeit der zwölf Jahre von 1875 bis 1887 war eine ganz außerordentliche. Außer der überaus anstrengenden redaktionellen Arbeit, den zahlreichen schon angedeuteten Studien weiß man von mancherlei Plänen, die den rührigen, rastlos arbeitenden Mann beschäftigten. Unter diesen sind besonders zwei jüdische zu erwähnen. Der eine bezieht sich auf eine jüdische Bibliothek, die 1880 bei Minden in Dresden erscheinen sollte. Sie sollte zunächst den „Roman" von Börne, Heines „Rabbi von Bacharach", Geschichten von Kompert und Kulke und ähnliches enthalten. Vielleicht wurde der Plan deswegen aufgegeben, weil Hoffmaun & Campe, wie aus einem vorliegenden Brief von: 1. Juli 1880 hervorgeht, den Abdruck der Heineschen

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