Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 207 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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207 unseres größten Klassikers mag darauf hingewiesen werden, daß Franzos auch anderen Zeitschriften, z. B. dem Goethe-Jahrbuch, einzelne Beiträge übergab, die wertvolle Dokumente, mit gehaltvollen Anmerkungen begleitet, enthielten. Gerade bei solchen Veröffentlichungen bewährte Franzos auch die Kunst des Schriftstellers. Es kam ihm nicht nach Philologenart darauf an — obgleich er wie ein guter Philologe auf die Sauberkeit der von ihm abgedruckten Texte die größte Sorgfalt verwendete, denn er war ein kundiger Sammler und ausgezeichneter Leser von Handschriften — kurze Anmerkungen zu seinen Texten zu geben, sondern er hatte das Bestreben, die von ihm zusammengebrachten und der Oeffentlichkeit übergebenen Dokunrente irr den Mittelpunkt einer lebensvollen Darstellung zu setzen. Und noch ein Anderes kennzeichnete ihn als Editor. Nicht die „Wut des Ungedruckten" erfüllte ihn, sondern die Liebe zu dem Bedeutenden, soweit es unbekannt war, sodaß bei seiner Herausgabe ungedruckter Materialien selten Spreu mit rrnterlief, sondern wirklich Gediegenes an das Tageslicht gezogen wurde. Gerade diese literarhistorischen Arbeiten nötigen zu einer allgemeinen Betrachtung. Franzos liebte die deutsche Literatur und war ihr für manche Einwirkung dankbar. Sein Verhältnis zu den Führern unseres deutschen Schrifttums war tief und innig. Eine besondere Einwirkung Schillers, an die man gern glauben möchte, wies er ab. Und doch hat er, wie schon früher gezeigt wurde, in wunderbaren Worten den Einfluß Schillers gerade auf die Juden des Ostens hervorgehoben. Ueber ein Stück Schillers, über „Wallenstein" und über den Eindruck, den es hervorrief, äußerte er sich in einem Briefe an seine Gattin folgendermaßen: (Nürnberg, 1883). „Ich sah mir abends Wallensteins Lager und die Piccolomini an. „Die Hund' spielen wie die Schwein." (Gelegentliche Aeußerung Bauernfelds über das Burgtheater). Aber ich kann es Dir kaum sagen, denn es scheint mir selbst ein Wunder, wie tief mich das Stück gepackt hat. Ich wurde ordentlich wieder jung und über