Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 206 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114453--3025-3114674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 als eine ausschließlich dem ersten Werk gewidmete Studie, obgleich auch diese: „Das Christusbild" seiner Entstehung nach gewürdigt wird. Aber er enthält höchst wichtige Ansätze zur Biographie und eine mit besonderer Liebe ausgeführte Schilderung des Vaters. Der äußerst anziehende Aufsatz erregt tiefes Bedauern darüber, daß Franzos seinen Plan, eine umfangreiche Selbstbiographie zu schreiben, nicht ausgeführt har, und daß er es nur bei diesem Fragment bewenden ließ. Hauptmitarbeiter der Zeitschrift war der Herausgeber selbst. Die meisten seiner Novellen, auch ein Drama, sind hier erschienen; der größte Teil der Kritiken, in denen er oft mit vielem Witz Dichterlinge abwies, rührt von ihm her; literarisch-historische Artikel, Forschungen und Mitteilungen, sind von ihm außerordentlich zahlreich beigesteuert. Eine besondere Erwähnung verdienen die außerordentlich umfangreichen Veröffentlichungen über Ernst Schulze, die Studien über Heine, von denen eine über Heines Geburtsjahr später als selbständige Schrift veröffentlicht wurde, eine Charakteristik C.F. Meyers, die gleichfalls als besondere Broschüre erschien; eingehende Betrachtungen über den Fall Meißner-Hedrich u. v. A. Die große Fähigkeit zum Redakteur, von der Franzos in der „Wiener Illustrierten Zeitung" tüchtige Proben abgelegt hatte, bewährte er hier auf einem ihm näher liegenden Gebiete. Gerade für diese Heerschau über die gesamte literarische Produktion der Zeit, für eine vorurteilslose, gediegene Auswahl aus den verschiedensten Gebieten des Neuerstandenen war Franzos wie geschaffen. Er gab mit Gründlichkeit und Unparteilichkeit seine Urteile ab, ließ, meist ohne Widerspruch zu erheben, seine Mitarbeiter ihre Ansicht vertreten, und hatte eine glückliche Hand in der Auswahl der Beiträge. Er vereinigte Strenge und Milde, und diese glückliche Mischung von Freundlichkeit und Entschiedenheit brachte es zuwege, daß ein großer Stamm hervorragender Mitarbeiter ihm treu blieb. Unter den Großen der vergangenen Epoche war auch Goethe mannigfach vertreten. Bei <Ä:wähnung des Namens