Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 201 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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201 erfüllt war. Dieses Glück ward ihm manchmal zuteil; einmal gab er davon seiner Frau in einem Briefe aus 1883 folgende Kunde: „Es war das fünfte Mal in meinen: Leben, wo ich von der Tribüne mit dem Bewußtsein abstieg, die Gemüter wirklich gepackt zu haben .... Es gehört nnt zu dem Besten, was man hier auf Erden erleben kann — man, das heißt ein Mensch, den: nicht mehr gegeben ist als nur. Weshalb ich denn auch die Nacht von: Freitag auf Sonnabend vor lauter Glück nicht schlafen konnte." "Auf diesen Reisen empfing er große Anerkennung und freute sich der Bankette und anderer Ehrungen, die für ihn veranstaltet wurde::. Oft erlangte er gerade auf diesen Reise:: Anerkennung, wo er es an: wenigsten erwartete. Als er einmal in Czernowitz war, sagte ihn: eine Ruthene: „Sie sind der einzige Mann, der sich unserer anninnnt." Auf derselben Reise wurde er von den: Kondukteur eines Schlafwagens, der um die Ehre bat, ihm beim Auskleiden zu helfen, in folgender Weise angeredet: „Ich bin ein geborener Wiener, lebe zwischen Krakau und Podwoloezyska im Schlafwaggon, bin ein ariner Teufel und habe mir in Krakau doch Ihre Bücher verschafft. Was Sie sind, werden Ihnen andere Leute gesagt haben, die können Ihnen auch ihre Anerkennung anders ausdrücken — ich, der alte Stürzer, möchte Ihnen wenigstens die Stiefel ausziehen." Auch über ein anderes Reiseabenteuer :nag kurz berichtet werden. An: 19. März 1882 traf Franzos in Nürnberg ein. Bon seiner Reise berichtete er seiner Frau: „Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, das Coupö nicht blos nnt drei Europäern, sondern auch :::it einen: echten, pajesgeschmückten und bekaftanten Halbasiaten zu teilen. Natürlich erkannte er mich sofort als Bruder in Mose und begann ein Gespräch über die Judenfrage, welches den "Anderen (Urchristen) offenbar und nnt Recht der Ausdrucksweise wegen sehr drollig vorkam. Doch hielt ich mich tapfer, sekundierte eifrig, _ ohne Furcht, etwa mit lächerlich zu werden und widersprach nur, soweit ich anderer Ansicht war. „Das hat schon