Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 200 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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200 gesegneten Fluren Oesterreichs zugebracht; manche weitere Reisen führten das Paar nach Kopenhagen (1880), nach der Schweiz. Der Winter 1882/83 wurde in Berlin zugebracht und schon hier wurde der Plan gefasst, nach Berlin zu übersiedeln, ein Plan, der aber Familienverhältnisse wegen für einige Jahre verschoben wurde. Manche anderen Reisen wurden von Franzos allein unternonunen, teils zur Heilung von seinem Jschiasleiden, teils zur Anknüpfung oder Festigung literarischer Verbindungen, teils zur Erweiterung seiner Kenntnisse der östlichen Länder, z. B. nach Serbien, teils zum schütze seines literarischen Eigentums, z. B. nach Holland und Schweden; im Oktober 1877 reifte er gnr Mutter, deren Verhältnisse sich sehr ungünstig gestaltet hatten. Seit 1874 war das väterliche Vermögen vollkommen verloren. Der auf seine eigene Tätigkeit Angewiesene mußte seitdem bis zum Tode der Mutter diese und die Schwestern erhalten. Manche anderen Reiser: wurden teils von Wien, teils später von Berlin aus zu Vorträgen in jüdischen und nichtjüdischen Vereinen unternommen. ^ste führten ihn fast nach allen Teiler: Deutschlands, einrnal auch nach Zürich. Bei diesen Vorträgen ir: allgemeinen und speziell jüdischen Vereinen wurden häufig Themata behandelt, die in den oben beurteilten Bänden der Sammlung „Halbasien" bearbeitet warer:; in der: letzten Jahrer: waren es vielfach Vorlesungen aus den Werken, wobei je nach der Natur des Vereins die allgemeinen oder speziell jüdischer: Werke bevorzugt wurden. Franzos war nicht eigentlich ein Redner; sein nicht sehr ausgiebiges ur:d etwas sprödes Organ trug nicht weit; auch der österreichische Dialekt beeinträchtigte die Wirkurrg, endlich las er meist ab, da er feiner Gabe frei zu sprechen nicht völlig vertraute. Trotz dieser Mär:gel übte er oft bedeutende Wirkungen aus. Denn das Auditorium hatte die Empfindung, daß der Redner mit seinem Gegenstand aufs Innigste verwachsen war, daß es ihm nicht nur darauf ankam, seine Hörer zu belehren oder zu unterhalten, sondern daß er wünschte, sie für den Gegenstand zu begeistern, wie er selbst davon