Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 198 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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198 kehrt; der Aridere, Aaron G. in Bottuschany in Rurnänien, der durch einen christlichen Theologen deutsch leserr und schreiben, die Anfangsgründe der Geschichte und Naturkunde erlernt hat, weiß sich in seltsamer Weise zu befreien. Schließlich wird er Professor an einer deutschen Universität. Derartige Selbstbefreiungen können freilich nur von hervorragenden Menschen, die gleich bedeutend durch Kraft und geistige Begabung sind, vorgenommen werden. Sie nützen höchstens den Befreiern selbst; der Menge bringen sie eher Nachteile als Vorteile, indem sich diese in ihrer Abneigung gegen die Abtrünnigen, in ihrem Widerstande gegen Licht und Aufklärung versteifen. Außer den sonderbaren Zuständen und traurigen Mißständen der Juden wird von Seltsamkeiten und Greueln der christlichen Bevölkerung berichtet. Ungemein charakteristisch in dieser Beziehung sind die Skizzen „Der Geistertöter", „Der Fehlermacher", „Volks- und Schwurgerichte im Osten". Für die Zwecke dieser Studie von besonderer Bedeutung und wichtig für Franzos' Eigenart ist auch die seltsame Skizze „Der Bart des Abraham Weinküfer", eine schwere Anklage gegen die russische Justiz, durch die ein gänzlich Unschuldiger zum Tode gebracht wird. Der Name dieses unschuldigen Opfers erregt vielleicht manchem ein Lächeln. Aber dieser Name und ebensoviel andere komische, oder übelklingende, sind nur in seltenen Fällen freigewählte, meist, wie Franzos iu der Skizze „Namenstudien" ausführt, durch die Bosheit einzelner Beamten gegeben, die in Ausführung eines vorn Kaiser Joseph erlassenen Gesetzes den Juden die tollsten Namen anhängten und ein zum Segen bestimmtes Gesetz in Fluch verkehrten. Die von Franzos aus den Akten gemachten Mitteilungen zeigen, mit welcher Raffiniertheit manche Beamte vorgingen, wie sie, um ihr Mütchen an Wehrlosen zu kühlen oder um von zahlungsfähigen Opfern Geld zu erpressen, entweder Glieder einer und derselben Familie, Mutter und Töchter mit verschiedenen Namen benannten, oder geachteten Männern Namen wie Galgenholz und Blicksauger verliehen, und sich erst durch beträchtliche