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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
185 (sequence 10)
Language
German
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— 185 Es sind traurige Bilder, die, er in „Gouvernanten und Gespielen" von dem Schicksal junger nach diesem Lande gebrachter oder, fast möchte man sagen, verkaufter Mädchen entwirft, oder von jüdischen Wucherern, die, wie er in „Tote Seelen" berichtet, für große Summen Totenscheine für lebende Verbrecher beschaffen, von der Unbildung, Modesucht und Pflichtvergessenheit der „rumänischen Frauen", von dem „Richter Jancu", der sein Weib und seinen Knecht und eine Zigeunerin ermordet, weil die ersteren in ehebrecherischem Umgang gelebt, durch Gift, welches sie von der letzteren erhalten, sein Kind getötet haben, ihn selbst töten wollten und an derLeiche des Kindes ihrVerbrechen fortsetzen, von diesem Richter, der vor dem Gerichtshof seine entsetzliche Geschichte erzählt und zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt wird. Wir werden die Trauer nicht los, auch wenn wir von Rumänien nach Süd-Rußland ziehen. Es packt uns mächtig, wenn wir in der Geschichte „Am Altäre", lesen wie der russische Leutnant in einem alten Schlosse bei der Beerdigung des Besitzers den Popen, der an dem Altar prophetisch das Ende der Gewaltherrschaft verkündet, niederschießt. Und sind es denn fröhliche Geschichten, die der Verfasser aus Oesterreich zu erzählen weiß? So spaßhaft die Geschichten auch sind, die er unter dem Titel „Kofsuthjagden" zusammenstellt, so sind sie doch von bitterem Ernste erfüllt, von innigem Mitgefühl für die verhängnisvollen Torheiten einer noch nicht längst vergangenen Zeit. Aber bei einem Lande hellt sich des Erzählers Sinn auf, bei der Bukowina. Wenn er „von Wien nach Czernowitz" fährt und die Reise beschreibt, sieht er nach er langen Trübsal der Reise am Ziele Erquickendes; wie übsch weiß er sein Land „zwischen Dnjestr und Bistrizza" uns vorzuführen; wie warm und erhebend „ein Kulturfest", die Feier bei der Gründung der Universität Czernowitz, zu schildern. Und selbst wenn er Seltsames erzählt, wie die Geschichte der „Leute vom wahren Glauben" so hält er sich doch fern von spöttischer Uebertreibung oder tadelnder Herabsetzung; mit einer Mischung von

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