Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 184 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Casanova verstaubt; des zweiten im Besitze des Stadtarztes, der, in kleinen Verhältnissen aufgewachsen, emsigem Studium ergeben, nun durch die Lektüre ein besserer und glücklicherer Mensch wird; des dritten, das die Frau des Bezirksrichters liest, wenn sie sentimentale Anwandlungen hat; des vierten, aus dem ein jüdischer, verkümmerter Gelehrter sich gelegentlich Begeisterung holt; endlich des fünften, eines zerlesenen Exemplars von Schillers Gedichten, welches das gemeinsame Eigentum eines katholischen Mönchs, eines ruthenischen Schulmeisters und eines Barnower Juden bildet, dreier Menschen, verschieden in ihrer Bildung, verschieden in ihrem Geschick, aber einig in ihrem Streben und einig in ihrer Empfindung. Sie genießen die heiligste Weihe aus diesem Buche. „Die drei waren im Dunkeln und haben sich nach Licht gesehnt, sie waren in der Wüste und haben nach einem Quell gedürstet . . . Und was von Licht und Labung in ihrem armen, dunklen Leben leuchtet und quillt, ist ihnen aus diesen löschpapiernen Blättern gekommen". Aber nicht nur literarische Bewegung kennt das Städtchen, auch von politischen Stürmen wird es erregt. In dem Aufsatz „Jüdische Polen" wird die Wahlagitation erzählt, welche das Städtchen in zwei feindliche Parteien spaltete, der Wahlkampf, in dem der mächtige polnische Graf unterlag, und der jüdische Advokat, welcher das Deutschtum und die Verfassung vertrat, obsiegte. Zwar wurden die Juden von des Grafen Knechten geprügelt, die „jüdischen Polen" werden wohl auch bald wieder zu „polnischen Juden"; aber die Sache der Freiheit hatte einen Sieg errungen. Neben der friedlichen Wahlschlacht der blutige Krieg: „Der Aufstand von Wolowce" schildert die Untaten eines Grafen gegen die Neuvermählten Frauen seiner Untertanen und seine fürchterliche Bestrafung. Der Humor kommt in der Geschichte „Wladislav und Wladislava"^ der Erzählung von einem durchtriebenen Gaunerpaar, zu seinem Recht, einem Paar, das sich eine Zeitlang mit Glück als Patrioten aufzuspielen gewußt. Auch aus Rumänien weiß Franzos nichts Erfreuliches zu berichten-