Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 183 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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183 In diesen Jahren 1875 und 76 erwarb Franzos durch die beiden schon genannten Bücher große und allgemeine Anerkennung. Sie sind nach meiner! Ueberzeugung fast seine besten Arbeiten; in ihnen liegen die Keime für vieles andere. In ihnen zeigt sich seine Eigenart, die er selbst einmal als „romantischen Realismus" bezeichnet^ Romantisch, weil trotz des entschiedensten Widerspruchs abgelebte Zustände mit einer gewissen Verklärung geschildert wurden; Realismus, weil der Autor mit großer Wirklichkeitstreue das darzustellen vermochte, was er sah. Und noch eine zweite Eigentümlichkeit zeigt sich schon in diesen ersten Büchern: die meisterhafte Behandlung der ethnographischen Novelle. Und zwar bewährt sich eine Doppelkunst, die den RomanUkern in geringem Maße oder garnicht eigen war: die eine, fremde Völkerschaften in ihrer Wesensart und Bedeutung darzustellen, die andere, die Landschaft in ihren: ganzen fremdartiger! Zauber, in ihrer Gewalt und Lieblichkeit zu schildern. Frühlingswonne und Sommerlust sind viel seltener als Herbststimmung und Winterstürme; aber die letzten werderr prächtig dargestellt. Die trübe rrnd dunkle Natur gibt aber rrur den entsprechenden Rahmen ab für traurige Zustände. Denn diese Bücher berichten weniger von Freude als von Leid, statt vori glückseliger Ruhe melden sie von erbitterten, oft blutigen Kämpfern Der Karnpf, den der Verfasser in dem Buche „Aus Halbasien" führt, ist zunächst der gegen die unberechtigte Herrschaft des polnischen Elements in seiner Heimat. Die Stätte, in der die Geschichten spielen, ist des Dichters Geburtsstadt, die er Barnow nennt und bei deren Schilderung er die rührendste Anhänglichkeit beweist. Ein höchst anmutiges Bild von diesem Städtchen entwirft er in der Skizze „Schiller in Barrrow", einen: unvergleichlichen Stück, das von allem etwas hat, von erschütternder Tragik, von derbem Humor und rührender Innigkeit. Es ist die Geschichte von fünf Exemplaren der Schillerschen Gedichte; des einen, das im Besitz eines elenden, ruinierten Grafen sich befindet und neben den: 12*