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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 182

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
182 (sequence 7)
Language
German
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182 Blättern zuerst erschienen. Es machte sehr piel Mühe, für diese Arbeiten einen Verleger zu finden. Gerade diese Schwierigkeiten ließen ihn das Elend des freier Schriststellerlebens so schwer fühlen, daß er irn Herbst 1874 nahe daran war, Reporter zu werden; zu seinem Glücke konnte dieser Plan nicht ausgeführt werden. Er hatte den Sommer im Bad Dorna-Vatra in der Bukowina verlebt, war mit den 100 Gulden, die er von Wien aus mitgebracht hatte, zwei Monate lang ausgekommen; tion bem Ertrage einiger Aufsätze konnte er die Rückreise nach Wien bestreiten. Drei Novellen, die er vorher geschrieben hatte, wanderten von Redaktion zu Redaktion und kehrten immer wieder zu ihrem Autor zurück. Er glaubte, daß nur die Anstellung im Bureau einer Zeitung ihn retten könnte. Daher ging er zu Etienne, dem Herausgeber der „Neuen Freien Presse", bot sich zu einer solchen Stellung an, wurde aber abgewiesen. Er war über diese Abweisung ganz verzweifelt, mußte am 1. Oktoberzum ersten Mal in seinem Leben seiner Wirtin die Miete schuldig bleiben und vernrochte erst abends, als erste warme Mahlzeit des Tages, eine Tasse Kaffee zu sich zu nehmen. Dabei las er, daß demnächst in Würzburg die Gerichtsverhandlung gegen den Böttchergesellen Wilhelm Kullmann, der Bismarck in Kissingen angeschossen hatte, stattfinden würde. Er stürzte zur „Neuen Freien Presse", um sich als Berichterstatter anzubieten, fand aber nicht den Mut hinaufzugehen, sondern schrieb an Etienne und erhielt am nächsten Tage die Zusage, für eine Entschädigung von 200 Fl. inklusive Reisekosten, und Spesen, nach Würzburg fahren zu dürfen. Freilich war der Aufforderung die Drohung hinzugefügt, niemals wieder einen Auftrag zu erhalten, wenn ein anderes Wiener Blatt besser über den Prozeß berichtete. Zu seinem Glücke war dies der Fall. Die Berichterstatter der übrigen Wiener Blätter, die den Neuling scheel ansahen, überflügelten ihn trotz seiner unermüdlichen Arbeit. So waren wirklich, trotz aller Mühe, Franzos' Berichte die kürzesten und unvollständigsten gewesen, und seine Reporterträume vernichtet.

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