Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 179 (sequence 4)
- Language
- German
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179 — durch ein großes Unwetter Geschädigten umgestalten. Trotz dieser ganz ungewöhnlichen Tätigkeit eines Schülers und trotz seines durch seine ärmlichen Lebensverhältnisse schwer zu befriedigenden Hanges zu Büchern war er kein Stubenhocker und kein Bücherwurm. Vielmehr übte er durch seine Fröhlichkeit ernmnternden Einfluß aus feine Kameraden und ließ sich in seiner Heiterkeit durch die Prophezeiung einer Kartenlegerin, die ihm ein schlimmes Ende voraussagte, nicht allzu stark anfechten. Am 3. August 1867 bestand er als Primus seine Maturitätsprüfung mit Auszeichnung. In den folgenden Wochen besuchte er in Begleitung seiner Mutter den Großvater in Odessa und zog, nachdem er für großjährig erklärt worden war, um sein Erbteil an seine Mutter abtreten zu können, nach Wien, um Jurisprudenz zu studiere::. Auch als Student stand er trotz feiner Jugend — er war kaum 19 Jahre alt — völlig auf eigenen Füßen, gewann durch Stundengeben und literarische Arbeiten schwer genug sein knappes Auskommen, ließ aber den Mut nicht sinken und sich die Lebensfreudigkeit nicht stören. Zu feinen gleichaltrigen Studiengenoffen gehörten Hubert Janitschek, der sich später als Kunsthistoriker, Alfred Klaar und Anton Schlossar, die sich als Literaturhistoriker einen geachteten Namen erwarben; auch n:it dem weit älteren Dt. K. Lueger saß er zusammen im „Akademischen Leseverein". Er beteiligte sich sehr eifrig an studentischen Angelegenheiten. Er gehörte der Burschenschaft Teutonia an, als deren Vertreter er 1868 den Burschentag in Berlin besuchte, und mit der er noch bis 1882 in einem gewissen Zusammenhänge war, hielt auch in den: akademischen Leseverein wissenschaftliche Vorlesungen über Stifters „Studien" und „Ein Lobgesang des Todes". Wie die Czernowitzer Schulzeit, so war und blieb ihm das Wiener Universitätsjahr von all de:n unvergänglichen Zauber der Jugend umflossen. Gern gedachte er in seinen Skizzen dieser Zeit und seiner Gefährten; „Unser Hans" erschien 1881 im Feuilleton der Neuen Freien Presse und erregte bei der Studentenschaft freudiges Staunen.