Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 180 (sequence 5)
- Language
- German
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180 Sein zweites Universitätsjahr, vor dessen Beginn er die Ferien zu Hause verbrachte, sowie die folgenden, verlebte er in Graz, in der Hoffnung, die sich nicht ganz erfüllte, in diesem billigeren Orte leichter sein Auskommen zu finden. Dort bestand er die Prüfungen, die erste juristische Staatsprüfung mit Auszeichnung. Wie in Wien, so beteiligte er sich auch an der zweiten Universität lebhaft am studentischen Leben, war Präsident der studentischen Verbindung Orion, trat als solcher mit Wilhelm Scherer und Julius Fröbel in Berührung, hielt Reden in Volksversammlungen der Deutsch-Nationalen, Unterzeichnete den Aufruf an die deutschen Hochschulen voni 25. Juli 1870, spielte eine hervorragende Rolle bei dein am 6. Oktober 1870 für die Witwen und Waisen der gefallenen deutschen Krieger veranstalteten Feste und war Leiter eines deutsch-nationalen Konunerses am 5. Dezember 1870 — eine Tätigkeit, die er durch eine Geldstrafe büßen mußte, nachdem er bereits 1868 polizeiliche Chikanen erduldet hatte — und im Komitee des Siegesfestes vom 6. März 1871. Wo er auftrat, wirkte er außerordentlich durch seine Reden und Deklamation, z. B. 1869 bei der Feier des 100. Geburtstags Alexander v. Humboldts in Czernowitz, in demselben Jahre und zwar in Graz bei der Gedenkfeier für Ernst Moritz Arndt, bei der auch sein junges Herz in Liebe erglühte („Sophie" in „Stille Geschichten"). Während eines Ferienaufenthaltes in Czernowitz 1869 übernahm er, der als Grazer Student für manche österreichische Blätter korrespondiert und auch in einzelnen deutschen Zeitungen und Zeitschriften Auffätze veröffentlicht hatte, seine erste Redaktion, die der „Buchenblätter" (1. Jahrgang 1870) die in manchen Zeitungen ehrenvoll genannt wurden. Graz war und blieb ihm zeitlebens lieb; es ist die Stätte vieler seiner Erzählungen, auch der Schauplatz seiner einzigen Versnovelle „Mein Franz"; Lokalschilderungen, poetische Verwertungen einzelner Personen: seiner Kommilitonen, ehrsamer Bürger und vornehmer