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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 178

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
178 (sequence 3)
Language
German
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178 half in der ersten Zeit dem Bruder aus, wo sie konnte' in den letzten Jahrzehnten ihres Lebens wurden die Schwestern von diesem reichlichun terstützt, ja lebten nach dem Verlust ihres Vermögens ausschließlich von ihm. Der Knabe, dessen erster Lehrer ein Trainsoldat war, den der Dichter später häufig poetisch verklärte, besuchte zuerst die Klosterschule seiner Vaterstadt. Nach dem frühen Tode des Vaters übersiedelte die Mutter mit den drei Kindern nach Czernowitz. Karl Emil bezog nach kurzem erfolglosen Besuch der Realschule das Gymnasium (vergl. die Erzählung Friedele), das unter dem vortrefflichen Rektor Stephan Wolf stand, einem Bannerträger deutscher Kultur im Osten (gestorben 27 Febr. 1898), den der dankbare Schüler wiederholt in seinen Skizzen, noch in der letzten, die er schrieb und veröffentlichte, ein ehrendes Denkmal setzte. Dieser Lehrer war ein vortrefflicher Philologe. Er verstand es in ausgezeichneter Weise, seinen Zöglingen die alten Sprachen lieb zu machen und sie zu einer hervorragenden Kenntnis anzuleiten. Mit manchen Schulgenossen, von denen der eine später Professor, zwei andere tüchtige Juristen, ein vierter Pfarrer wurde — sie sind alle in „Ungeschickte Leute", „Stille Geschichten", „Der Pojaz" geschildert — kam er in innigen Verkehr und blieb mit ihnen in dauernder Verbindung Der Gymnasialschüler mußte, da der nicht übermäßig große Nachlaß des Vaters nur zur Bestreitung des Notwendigsten ausreichte, seinen Unterhalt durch Stundengeben erwerben. Schon als Gymnasiast hielt er im Aufträge seiner Kollegen einzelne wirkungsvolle Reden und veröffentlichte kleine Aufsätze. Bereits 1866 publizierte er im Bukowinaer Hauskalender seine erste Novelle. Dann 1867 eine Bukowinaer Liebesgeschichte aus der Römerzeit, eine Geschichte, die besonders unter den Mitschülern rühmliches Aufsehen machte. 1867 plante er gleichfalls in Czernowitz eine Freiligrath-Feier, war aber genötigt, von ihrer Ausführung abzusehen, weil in ganz Czernowitz außer ihm und seinem Mitveranstalter kaum jemand eine Ahnung von dem deutschen Dichter hatte mid mußte seinen dafür bestimmten Prolog zu einem Fest für die

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