Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 177 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein solcher Versuch muß nun entsprechend dem Organ, in dem er erscheint und dem Raume, der ihm zugewiesen werden kann, beschränkt und in feinem Inhalt etwas einseitig sein. Ein reiches äußeres und inneres Leben, ein umfassendes schriftstellerisches Wirken kann in wenigen Bogen nur angedeutet werdenein jüdisches Jahrbuch wird aber naturgemäß in erster Linie Jüdisches berücksichtigen. Karl Emil Franzos wurde in Ezortkow in Galizien am 25. Oktober 1848 geboren. Sein Geschlecht führte er auf Spanien zurück und er fühlte einen gewifsen Stolz auf diese Abstammung. Sein Vater, Dr. Heinrich Franzos, dessen ärztliches und humanitäres Wirken von Privaten und Behörden mit Dank und Bewunderung anerkannt" wurde, verheiratete sich 1835 mit Karoline Klarfeld (1810—1891) aus Odessa, der Tochter eines gebildeten aber unvermögenden Mannes Abraham Klarfeld, der aus Liebe zur Lektüre, besonders schöngeistiger, sein Geschäft vernachlässigte (lebte 1870 noch in Odessa). Aus der Ehe der Eltern entstannnten viele Kinder. Bon ihnen starben drei in frühester Kindheit. Ein Sohn, Max, ein dichterisch veranlagter Jüngling, von dem sich z. B. ein stimmungsvolles Gedicht „Judenhochzeit" erhalten hat, starb 1857 als 20 jähriger Student der Medizin. Nur zwei Schwestern erreichten ein höheres Alter: Julie 1838—97, die etwas schwachsinnig blieb und Leonore (Lorzia) 1840 (?)—1900, die als Kind von ihrer Wärterin fallen gelassen worden war und Zeit ihres Lebens bucklig blieb. Karl Emil, in seinem Vaterhause Milko genannt, war das jüngste Kind. Er wurde von seinem Vater, dem er auch äußerlich sehr ähnlich sah, besonders geliebt; der Vater versprach sich viel von seinem jüngsten Sprößling. Doch erlebte der tüchtige Arzt die Entwicklung des Knaben nicht, er starb bereits am 1. Juli 1858. Das Andenken des Vaters hielt der Sohn stets heilig und er gedachte seiner gern und oft in mündlichen Erzählungen wie in Schriften als einer idealen Gestalt. Der Mutter und den Schwestern blieb der Knabe und der Mann innig ergeben. Schwester Julie