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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 171

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
171 (sequence 21)
Language
German
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Hier fühlt er sich als Mensch unter Menschen. Hier verlangt es auch ihn nach den stillen Freuden, di/ er seine Mitmenschen genießen sieht. Auch Koheleth preist die bescheidenen Genüsse, die eine einfache, anspruchslose Lebensführung gewährt: „Geh hin, isz in Freuden dein Brot, trinke mit frohem Herzen deinen Wein, denn Längst hat Gott bciit Tun gefallen. — Zu jeder Zeit feien deine Kleider weiß, und Ol fehle deinem Haupte nicht. — Genieße das Leben mit dem Weibe, das du liebst alle Tage deines Lebens, die er dir gegeben hat unter der Sonne. Denn das ist dein Anteil am Leben und an deiner Mühe, womit dir dich mühest unter der Sonne." Doch der Feuergeist beider läßt sie nicht zum still urnfriedeteu Genüsse kommen. „Zwei Seelen wohnen, ach! in (ihrer) Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält, in derber Liebeslust Sich an die Welt mit klammernden Organen, Die andre hebt gewaltsam sich vom^Dust Zu den Gefilden hoher Ahnen." Koheleth wird durch feilte grübelnde Lebensbetrachtung aus seiner behaglichen Ruhe herausgerissen. Faust stürzt sich mit Mephistopheles in den Strudel zügellosesten, sinnlichen Genusses. Sie treten zuerst in Auerbachs Keller ein. Dort wird das Leben in vollen Zügen genossen. „Ich muß dich nun vor allen Dingen Zn lustige Gesellschaft bringen. Damit du siehst, wie leicht sich's leben läßt. Dem Volke hier wird jeder Tag zum Fest." Man könnte dieser Szene die Worte Koheleth'» gegenüberstellen: „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugendzeit! Tue dir wohl in den Tagen deines Jünglingsalters und zwar nach dem Anschauen deiner Augen. Nur wisse, daß dich über alles dieses Gort ins Gericht kommen läßt."

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