Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Kohelet und Göthes Faust
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 168 (sequence 18)
- Language
- German
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168 dieser den Menscher: ir: feiner Allgemeinheit darstellt, um so mehr erscheint auch Mephistopheles als die dunkle Seite im Menscher: überhaupt, welche der Dichter zu einer Person verkörpert und der idealen, dem Höheren zugewandten Seite gegenübergestellt hat." Von diesem Standpunkt aus betrachtet, werden wir auch in Koheleth Mephistopheles wiederfinden, wenn zun: Beweise für die Nichtigkeit des Lebens eine Blüte nach der andern wie mit höhnischem Grinsen an dem Lebensbaume zerpflückt und immer die düstere Seite der Dinge hervorgekehrt wird. Und in der Tat! Bitterer und sarkastischer kann sich selbst Mephistopheles nicht ausdrücken, als es Koheleth bei seiner Lebensbetrachtung zuweilen tut. Einige Aussprüche mögen dies beweisen: „Ich dachte in meinem Herzen, das Geschick des Toren wird auch mich treffen I Warum habe ich mich um Weisheit bemüht? Denn ebensowenig wie des Toren wird man des Weisen einst gedenken. Der Weise stirbt wie der Tor. — Das Geschick des Menschen ist wie das des Viehes. Ein Geschick ist ihnen. Wie dieser stirbt, stirbt dieses. Der Vorzug des Menschen vor dem Vieh ist nichtig, denn alles ist eitel." Noch mehr tritt die düstere Seite in der Natur Koheleths hervor, wenn er die Nichtigkeit und Zwecklosigkeit aller menschlichen Bestrebungen nachweist' doch würde es zu weit führen, wollten wir all die hierher gehörigen Aussprüche anführen. Besonders hervorstechend ist aber bei ihm, daß er ganz wie Mephistopheles die menschliche Vernunft für alles verantwortlich macht. Wenden wir uns nun wieder zu Faust zurück. Durch die Verbindung rnit Mephistopheles hat er mit seiner Vergangenheit vollständig gebrochen. „Des DenkersFaden ist zerrissen, die Weisheit ist als nutzlos beiseite geworfen." „Ich ftihl's, vergebens Hab' ich alle Schätze Des Menschengeist's auf mich herbeigerafst> Und wenn ich mich am Ende niedersetze. Quillt innerlich doch keine neue Kraft. Ich bin nicht um ein Haarbreit höher, Bin dem Unendlichen nicht näher."