Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Kohelet und Göthes Faust
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 167 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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1(5/ „Habe nun, achl Philosophie, Juristerei und Medizin Und, leider! auch Theologie Durchaus studiert, mit heißem Bemüh'n. Da steh' ich nun, ich armer Tor Und bin so klug als wie zuvor." Wie Koheleth sich weiser fühlt als alle, die vor ihn: in Jerusalem waren, so ist auch er gescheidter als all die „Lasten, Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen". Koheleth gleich haßt auch er das Leben, und während jener den Toten vor den: Lebender: glücklich preist, will er freiwillig aus dem Dasein scheiden. Es schneidet allzu schmerzlich in seine Seele ein, daß der Mensch nicht über sich hinaus kann und der Geist durch das ihm anhaftende körperliche Element auf ewig an der Erreichung unbegrenzter Erkenntnis gehindert ist. Ganz ähnlich wie bei Koheleth tritt somit auch bei ihm das Gefühl menschlichen Nichtigkeit mit schneidendsten: Hohne hervor. Da er von der Unmöglichkeit wahren und höchsten Wissens überzeugt ist, will er es wie Koheleth mit dem Genuß versuchen, und in gieriger Verzweiflung gibt er sich ihm hin. Diese Hingabe wird durch die Verbindung mit Mephistopheles dargetan. „In der Zeichnung Mephistos hat Goethe die höchste Aufgabe gelöste die man für die Kunst der poetischen Darstellung aufstellen kann. Er hat den Begriff des Bösei: in seinen: ganzen Umfange in eine Individualität, in eine menschliche Gestalt verkörpert, welche ebensowohl das diabolische, das höllische Element, wie es der Volksglaube dem Teufel, zuschreibt, als auch das Böse in der menschlichen Natur zur Erscheinung bringt. Er kehrt in seinen Reden immer die schlimme Seite der Dinge hervor. In dieser nüchternen, scharfen Ironie ist er oft mit seinen: Urteil wahr. Wenn ihm verkehrte Zustände entgegentreten, behält er Recht. Faust gegenüber erscheint er als der Verführer, der ihn seine Straße sachte führt, aber nach der vollbrachten, sündhaften Tat sich ihm wie die Sünde selbst in ihrer nackten Blöße zeigt. In dieser Beziehung ist er als eine Person mit Faust zu fassen. Je mehr 11*