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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 166

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
166 (sequence 16)
Language
German
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166 „Ich bin nun durch die Welt gerannt: Ein jed' Gelüst ergriff ich bei den Haaren, Was nicht genügte. Ließ ich fahren. Was mir entwischte, ließ ich ziehn. Ich habe nur begehrt und nur vollbracht. Und abermals gewünscht und io mit Macht Mein Leben durchgestürmt: erst groß und mächtig. Nun aber geht es weise, geht bedächtig. Der Erdenkreis ist mir genug bekannt. Nach drüben ist die Aussicht uns verrannt: Tor, wer dorthin die Augen blinkend richtet. Sich über Wolken Seinesgleichen dichtet! Er stehe fest und sehe hier sich um: Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm. Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen! Was er erkennt, läßt sich ergreifen. Er wandte fo den Erdentag entlang. Wenn Geister spuken, geh' er seinen Gang: Im Weiterschreiten find' er Dual und Glück, Er, unbefriedigt jeden Augenblick." Was er wünschte und erhoffte, umfassende Erkenntnis zu erlangen und das Wesen aller Lebenserscheinungen verstehen zu lernen, ist ihm nicht gelungen. „Der Menschheit Krone" ist ihm nicht geworden. Er ist so weit gekommen wie Koheleth, und wie dieser nach seinen immer wieder sehlschlagenden Versuchen, vor zu vielem Grübeln, Sinnen und Denken warnt, so nimmt jetzt auch Faust davon Abstand, die außerhalb der Erfahrungswelt liegenden Dinge mit seinem Geiste zu umfassen. Dies Endergebnis soll durch den Prolog wohl von vornherein angedeutet werden, insofern uns durch ihn dargetan wird, daß menschliche Erkenntnis nicht das Geheimnis des Lebens lösen und den Schleier lüften kann, den die waltende Vorsehung über das Dasein ausgebreitet hat. Verfolgen wir nun die Entwicklung des Dramas weiter. Faust sitzt in seinem Studierzimmer. Dumpf und düster wie die Worte Koheleth's: „Und ich richtete meinen Sinn darauf, die Weisheit zu erfassen, Sinnsprüche und rätselhafte Lehrsätze zu verstehen, und mußte erfahren, daß dies nur eine Jagd nach Wind war." — klingt auch seine Rede:

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