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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 165

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
165 (sequence 15)
Language
German
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165 Und Wie Mephistopheles macht auch er die von Gott gegebene Vernunft für alle Menschenpein verantwortlich. „Denn bei viel Weisheit ist viel Gram, und wer Kenntnisse mehrt, mehrt Weh. — Ein Leidiger Drang ist es, den Gott den Menschenkindern gegeben, sich damit zu plagen." Ganz ähnlich spricht Mephistopheles: „Ein wenig besser würd' er Leben, Hätt'st du ihm nicht den Schein des Himmelslichts ^gegeben. Er nennt's Vernirnft und braucht's allein. Nur tierischer als jedes Tier zu sein." Im Lünne Koheleths ist es dann auch gesprochen, wenn er auf die Frage des Herrn, ob er nur anzuklagen komme, erwidert: „Nein, Herr! Ich find' es dort, wie immer, herzlich schlecht. Die Menschen daueret mich in ihren Jammertagen. Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen." Was nun Zweck und Bedeutung des Prologs angeht, so will es uns bedünken, als solle durch ihn ganz dasselbe im Voraus festgestellt werden, was Koheleth am Schlüsse seiner Betrachtung als deren Resultat hinstellt: Der Mensch vermag die Pläne der Vorsehung nicht zu ergründen. — Der Herr übergibt Faust in die Gewalt des Mephistopheles, in die Gewalt der Versuchung, ohne daß jener ahnt, daß in der Höhe über sein Geschick verhandelt worden ist. Rastlos und friedlos stürmt er darauf durchs Leben. „Was der ganzen Menschheit zugeteilt ist, will er in seinem inneren Selbst genießen, mit seinem Geist das Höchst' und Tiefste greifen und so sein eigen Selbst zu ihrem Selbst erweitern." Und was erzielt er bei seinem ungestümen Vorwärtsstürmen, bei seinen in allen Lebenszweigen und auf allen Gebieten stets aufs neue angestellten Versuchen? Im zweiten Teil des Gedichts spricht er sich darüber aus: ii

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