Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Kohelet und Göthes Faust
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 163 (sequence 13)
- Language
- German
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163 Ruhelosigkeit und Nichtigkeit der menschlichen Bestrebungen entgegengestellt. Der Gesang der drei Erzengel stimmt fast wörtlich mit den ersten Versen Koheleths überein. Der erhabenen Sprache Göthes gegenüber wird sich die knappe, nüchterne Ausdrucksweise Koheleths allerdings etwas dürftig ausnehmen. „Die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter. Sie keucht stets ihrer Stätte zu, dahin, wo sie wieder aufgeht. Also sagt Koheleth und Raphael, der erste der drei Engel, singt: „Die Sonne tönt nach alter Weise In Brudersphären Wettgesang, Und ihre vorgeschriebene Reste Vollendet sie mit Donnergang. Ihr Anblick giebt den Engeln Stärke, Wenn keiner sie ergründen mag; Die unbegreiflich hohen Werke Sind herrlich, wie am ersten Tag". Der Gesang Gabriels entspricht dem 7. Vers im ersten Kapitel: „Alle Flüsse gehen ins Meer, doch das Meer wird niemals voll. An den Ort, wohin die Flüsse gehen, dorthin werden sie immer gehen." Gabriel singt: „Und schnell und unbegreiflich schnelle Dreht sich umher der Erde Pracht, Es wechselt Paradieseshelle Mit tiefer, schauervoller Nacht. Es schäumt das Meer in breiten Flüssen Am tiefen Grund der Felsen auf. Und Fels und Meer wird fortgerissen In ewig schnellem Sphärenlauf." Und endlich der Gesang des Engels Michael, der dem 6. Vers im ersten Kapitel Koheleth entspricht: „Er geht nach Süden und kreist nach Norden, im Kreise geht stets der Wind, und zu seinen Kreisen kehrt er zurück."