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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 161

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
161 (sequence 11)
Language
German
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161 Wert. — Vielfache Lebensregeln stellt er sonach auf. Hauptsächlich aber und immer wieder mahnt er, sich nicht um das zu kümmern, was einen nichts angehe, zu essen und zu trinken, sich mit deni Eigenen zu freuen und sich um das Fremde keine Gedanken zu machen. Man soll das Leben nehmen, wie es ist und nicht, wie es sein könnte! Man soll sich nicht vermessen, die Weltenleitung Gottes erklügeln zu wollen; denn mit unfern endlichen Hülfsmitteln vermögen wir nicht das Unendliche zu durchdringen. Unsere Bestimmung aber können wir nicht mit dem Verstände, sondern nur mit dem Gemüte erfaffen! In der vertrauensvollen Hingabe an die allwaltende, allgütige und allweise 3501:101511119 ist allem das Mittel gegeben, um über die Unebenheiten des Lebens hinwegzukommen. Und so schließt das Buch mit den Worten: „Am Ende der Sache (wohl der Untersuchung und Erörterung) wird alles verständlich. Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch. Denn jedes Geschehnis vollführt Gott mit Recht, wenn dies auch dem Menschen verhohlen ist, ob es nun gut oder böse," — es schließt demnach mit der Empfehlung vertrauensvoller Gottesverehrung als des einzigen Mittels, das dem Menschen innern Frieden und Seelenruhe bieten könne. Wenden wir uns nun zu Faust, indem wir ihn seiner Tendenz, seinem Inhalt und dem Gang der Handlung nach dem Buche Koheleth vergleichend gegenüberstellen. Es ist in dieses größte Werk des größten deutschen Dichters unendlich viel hineingelesen und ebensoviel herausgedeutet worden. Am sichersten geht man jedoch bei seiner Beurteilung, wenn man sich von Göthes eigenen Worten leiten läßt. „Die Sage von Faust," so lautet ein Ausspruch Goethes, „klang und summte gar vieltönig in mir wieder. Wie er, hatte auch ich mich in allem Wissen umhergetrieben und ward früh genug auf die Eitelkeit desselben hingewiesen; wie er hatte auch ich es im Leben auf allerlei Weise versucht und war immer unbefriedigter und gequälter zurückgekommen." Diese Worte bilden wohl den besten Schlüssel zum Verständnis des Faust. Faust spiegelt uns Goethes eigene Seelenkämpfe wieder

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