Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Kohelet und Göthes Faust
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 159 (sequence 9)
- Language
- German
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es mx§ der Hand Gottes komme und eine-von Gott geschenkte Gabe sei. Koheleth preist hier nicht den ungezügelten Genuß, der nach allem hascht und allem greift und für seine Begierde kein Gesetz und keine Schranke kenntdenn von diesem hat er bereits erkannt, daß es schal und hohl sei und nicht der Mühe lohne, — sondern die sich selbst beschränkende Genügsamkeit, die nicht aus ihrem engen Kreis heraustritt, die nicht nach dem Unerreichbaren hinüberschielt und dem Gelüste strenge Zügel anlegt. Und immer wieder kommt Koheleth, wenn die Erscheinungen des Lebens Mißbehagen und innere Unzufriedenheit in ihm erzeugen, auf die Empfehlung dieser sich selbst beschränkenden Lebensführung zurück. An sechs verschiedenen Stellen mahnt er zum bescheidenen Genuß als dem einzigen Empfehlenswerten unter den verkehrten Beschaffungen und Bestrebungen des Menschen. Und jedesmal preist er ein solches Genießen als eine wahre Gottesgabe, die der Mensch dankbar und freudig hinnehmen möge als das einzige Mittel, das den sich ihm überall aufdrängenden Verdruß aufwiegen und beseitigen könne. So ganz besonders angesichts der betrübenden Erscheinungen und Unbegreiflichkeiten, die sich bei denkender Beobachtung des gesellschaftlichen Zusammenlebens dem Beschauer aufdrängen. Herrsche doch die größte Unbeständigkeit und Regellosigkeit im Bereiche des menschlichen Wirkens. Derselbe Mensch finde es heute nötig aufzubauen, morgen wieder einzureißen, heute einzusammeln, morgen wieder mit vollen Händen auszustreuen. Hier wendet er allen Eifer an, einen Mitmenschen vom Tode zu erretten, dort geht er darauf aus ihn zu töten. Das eine Mal läuft er einem Freunde nach, das andere Mal stößt er gar den von sich, der ihm mit offenen Armen entgegenkommt. So sei das Leben voller Ungereimtheiten und voller Widersprüche. Und nicht dies allein! Auch Bedrückung und Ungerechtigkeit machen sich allerorts breit. An der Stätte der Tugend wohnt der Frevel, und da, wo Gerechtigkeit das Szepter führen sollte, herrscht die Bosheit. Bei einer solchen Ordnung