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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 158

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
158 (sequence 8)
Language
German
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■168 feine Weisheit ^und seine Einsicht das Verständnis aller Dinge erlange»:. Doch es war ein vergebliches Bemühen, es war „eine üble Beschäftigung, dem Menschen von Gott gegeben, um ihn damit zu plagen". Die Weisheit gab ihm keinen Aufschluß, die Einsicht ließ ihn im Stich, und so war sein Streben ein Haschen nach Wind, ein eitles Bemühen! Ja, noch bitterere Erfahrungen hat er in seinem Streben nach Erkenntnis machen müssen. Unmut faßt infolge seines vergeblichen Forschens bei ihm Raum, und der in seine Schranken zurückgeworfene Wissensdrang verursacht ihm hefttgen Seelenschmerz. Da ihm also durch seine Weisheit keine Befriedigung geworden, will er es nun mit der Freude und dem Genuß versuchen, um vielleicht hierdurch die Lösung des Lebensrätsels zu finden. Aber auch dies war ein vergeblicher und eitler Versuch. Und doch hatte er den Freudenbecher bis zum Grunde geleert! Er baute sich Häuser, pflanzte Weinberge, legte Obstgärten an, hielt sich Sklaven und Sklavinnen nebst vielfachem Gesinde, sammelte Geld und mannigfache Schätze, häufte die Kleinodien vieler Länder auf, hielt sich Sänger und Sängerinnen, und sein feingebildeter Geschmack unterstützte ihn in diesen: Streben. Er entzog sich nichts, was seine Augen begehrten, versagte seinem Herzen keine Freude. Und als er das Ganze betrachtend überschaut, da ist ihm alles wieder schal und eitel. Die Freude ekelt ihn an, sein Sehnen bleibt ungestillt, Befriedigung ist ihm nicht geworden. Mcht minder vergeblich ist sein Bemühe:: in bezug auf die praktische Weisheit. Dauernden Wert kann auch sie dem Leben nicht verleihen. „Es stirbt der Weise wie der Tor. Ein Geschick ereilt beide." Da haßt er denn das Leben. Verhaßt wird ihm das Tun, dem er seine Mühen widmet. „Was bleibt dem Menschen bei all der Anstrengung und dem Sinnen seines Herzens?" ruft er erbittert aus. „Alle seine Tage sind Schmerzen, Unmut ist seine Beschäftigung." Es scheint ihn: sonnt nur empfehlenswert zu essen und zu trinken, seinen Leib zu erquicken und sich mit dem zu freuen, was man sich erworben, — benn von all diesen: habe er erkannt, daß

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