Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Kohelet und Göthes Faust
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 157 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 157 Weisheit, die sich erkühnt, den Weltenplan des Schöpfers zu durchleuchten, sondern nur von der praktischen, auf das Leben, dessen Gestaltung und Aufbau gerichteten Weisheit, die wir unter den Begriff „Lebensklugheit" fassen. Diese Weisheit nützt dem Menschen. Sie verschönt sein Dasein, sie verleiht ihm Wert und Würde, .ja, sie ist ihm unentbehrlich, wenn er sich das Leben erträglich machen will, während jene dem Menschen nur zu seinem Unheile gegeben worden. „Wer Wiffen häuft, häuft Unmut, wer an Erkenntnis zunimmt, mehrt sich Schmerzen", und dies insofern, als er hierdurch zu Unzufriedenheit, Lebensüberdruß und Lebensverachtung kommt. Darum findet Koheleth es empfehlenswert, sich in Abneigung gegen die Weisheit nicht um das zu künimern, was nian nicht begreifen könne, sondern still und zuftieden und unbekümmert um alle Lebensrätsel zu genießen, was die Güte Gottes biete, und sich nicht um die Zukunft zu beunruhigen. Gottergebenheit und vertrauensvolle Hingabe an die unergründliche Weisheit der Vorsehung hält darum Koheleth für das dem Menschen allein Empfehlenswerte, und auf diesen Gedanken wird auch am Schluffe des Buches als Ergebnis der ganzen Untersuchung ausdrücklich hingewiesen. Das Buch hebt an mit dem allgemein bekannt gewordenen Ausspruch: „Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel. Welchen Gewinn hat der Mensch bei all seinem Mühen, daß er sich abmüht unter der Sonne?" Es wird hiermit vorweggenommen und als feststehende Tatsache hingestellt, was in der weiteren Behandlung erst dargetan und bewiesen werden soll. Um nun die Flüchtigkeit und Nichtigkeit der menschlichen Bestrebungen in ein recht grelles Licht zu setzen, wird ihnen die Ewigkeit und Unveränderlichkeit der Naturgesetze gegenübergestellt. Der Bestand des Weltganzen niit seiner sich immer gleichbleibenden Ordnung wird in seiner Erhabenheit und seiner majestätischen Größe den kleinlichen und nichtigen Bestrebungen der Menschen entgegengehalten. Koheleth hat versucht, alle Erscheinungen, die sich seinem Auge boten, verstehen zu lernen. Er wollte durch