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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 154

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
154 (sequence 4)
Language
German
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Fast kein Buch der heiligen Schrift ist frei von der Klage, daß das Leben so mannigfache Unbegreiflichkeiten aufweise, die mit der Güte und Gerechtigkeit Gottes unvereinbar scheinen, und vor allem sind es die Psalmen, die förmlich von dieser Klage Widerhallen. Doch das unerschütterliche Gottvertrauen, das allerorts zu Tage tritt, läßt die Gemüter sich verhältnismäßig leicht mit diesen Lebensrätseln abfinden. Erst im Buche Hiob wird eine ausführliche Betrachtung und umfassende Untersuchung über die Bedeutung des Lebensleides angestellt. Hiob leidet, er leidet unschuldig, und er wie seine Freunde mühen sich vergeblich, die Ursache seiner Leiden zu ergründen. Fest steht ihnen allen, daß Gott gerecht ist und kein Unrecht tun kann. Doch ebenso standhaft pocht Hiob auf seine eigne Unschuld, während seine Freunde ihn der Gerechtigkeit Gottes zuliebe der Sünde zeihen zu müssen glauben. Es ist ein tragischer Konflikt von erschütternder Wirkung, wenn Hiob mit dem Aufgebot all seiner sittlichen Kraft sich gegen die Theodicee der Freunde, die seine eigene Verurteilung einschließt, zur Wehr setzt. Die Lösung des aufgestellten Problems wird in den letzten Kapiteln gegeben. Gott erscheint selbst! Aber -anstatt Hiob Aufschluß über den Grund und Zweck seiner Leiden zu geben, erinnert er ihn an die Begrenztheit seines Wissens und die Unzulänglichkeit seines Einsichtsvermögens, dem er die in der göttlichen Weltenleitung zu Tage tretende unbegrenzte Weisheit und Allmacht des Schöpfers gegenüberstellt. Der Mensch vermag das Walten Gottes nur bewundernd anzustaunen, aber nicht in seinen: Wesen zu erfassen, und darum muß sich der Mensch in seinen: Erkenntnisdrang bescheiden und sich demütig dem göttlichen Willen unterordnen. So ist denn eine Rechtfertigung Gottes für den Menschen schlechterdings unmöglich, weil das menschliche Fassungsvermögen viel zu umgrenzt ist, um die unendliche göttliche Weisheit zu begreifen. „Während nun im Buche Hiob nur das Mißverhältnis zwischen Glück und Tugend oder das Leiden des Daseins als Problem aufgestellt wird, erscheint in:

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