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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 153

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
153 (sequence 3)
Language
German
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153 und Tritt in unendlich vielen Rätseln entgegentritt, besinnt er sich nach und nach auf sich selbst, und die Antworten, die er sich auf die ihrn entgegentretenden Fragen gibt, entwickeln sich schließlich zu einer religiösen Weltanschauung. Eine jede Religion wird darum die Frage nach dem Wert und Zweck des Lebens zu lösen suchen, sei dies nun in positivem, sei es in negativem Sinne. Diese Beantwortung kann ihrer Natur nach nur eine allgemeine sein. Da aber die Erfahrung und das tägliche Leben uns immer wieder an die Ecken und Kanten rätselhafter Einzelerscheinungen stoßen läßt, die sich nicht recht in den Rahmen der aufgestellten Beantwortungssätze einfügen lassen" wollen, so wird jene Frage immer aufs neue auftauchen, sobald nämlich eine Erfahrimg der religiösen Gesamtanschauung zu widersprechen scheint. Wir können dies am besten an der Hand der Bibel selbst beobachten. Der Schöpfungsbericht sagt: „Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut!" Hiermit sind im Grunde alle Fragen beantwortet, die das Leben aufwerfen könnte. Allein die Erfahrung scheint dieser Lehre allzuoft zu widersprechen. So soll nach dem Berichte des Midrasch schon Mose an Gott die Frage gerichtet haben, warum es den Frommen und Guten oft so schlecht gehe, während die Frevler häufig vom Glück begünstigt würden. Diese Frage schwebt auch vielen späteren Propheten auf den Lippen. Jeremia klagt: „Zu gerecht bist Du, o Gott, als daß ich mit Dir streiten könnte. Doch vom Rechte muß ich mit Dir sprechen, warum der Weg der Frevler gelingt, sich wohl befinden die Treulosen (Jerem. 12, 1)." Habakuk erhebt den kühnen Vorwurf: „Du, dessen Augen zu rein sind, um Böses anzusehen, und der Du Unrecht nicht schauen kannst, warum blickst Du schweigend auf die Treulosen, wenn der Frevler den verschlingt, der gerechter ist als er (Habakuk 1, 13)" und Maleachi berichtet uns, daß zu seiner Zeit ein Teil des Volkes dadurch in seinem Gottesglauben irre -wurde, daß es ait der gerechten Waltung Gottes zweifelte (Maleachi 3, 14).

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