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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 152

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Kohelet und Göthes Faust
Date
1908-01-01
Page
152 (sequence 2)
Language
German
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152 eine philosophische Weltanschauung und Weltbetrachtung notwendigerweise zur Voraussetzung haben müssen. Der Höhlenbewohner, der mit den wilden Tieren ringt, um sein primitives Heim zu verteidigen und in diesem Kampfe freudig sein Leben aufs Spiel setzt, wenn nur die Seinigen ein gesichertes Unterkommen vor Sturm und Regen behalten, — der Krieger, der auf leichenbedecktem Schlachtfelde sein Lebenmit verklärtem Blick aushaucht, wenn er nur den Sieg errungen und das Vaterland gerettet weiß, — der Staatsmann, der seine Kräfte dem erhabenen Ziele widmet, das Wohl des Landes und seiner Bewohner zu fördern und das Staatsschiff unversehrt durch alle Klippen, die ihm drohen, hindurchzuführen — ja jeder, der im Dienste einer gemeinnützigen Sache aufgeht und ihr sein Leben weiht, — selbst der Genußmensch, der nichts anderes kennt und nichts anderes erstrebt, als was seine Sinnenlust befriedigt, sie alle beantworten sich die Frage nach dem Wert und Zweck des Lebens nicht minder wie der scharfsinnige Philosoph, der mit der Wage des Verstandes dessen Vorteile und Nachteile behutsam und bedächtig gegen einander abwägt und gemäß dem Ergebnis seiner Prüfung seine Urteile aufstellt. Die Gestaltung, die jemand seinem Leben gibt, das Streben, das er an den Tag legt, der Inhalt, den er ihm verleiht, — sie bilden die praktische Beantwortung unserer Frage, insofern sich hierin kundgibt, nach welcher Richtung man dem Dasein Wert und Bedeutung beimißt. Aber auch wenn wir von diesem allem absehen, wird schon die religiöse Ansicht, sei sie nun Ausfluß des Gesamtgeistes eines Volkes oder Stammes, oder die selbsterworbene Ueberzeugung eines Einzelnen, stets die Beantwortung der Frage nach dem Wert des Lebens, nach seinem Zwecke und seinem Ziele, in sich schließen. Man wird vielleicht nicht fehlgehen, wenn man in dem Streben,' sich diese Frage zu beantworten, den Ursprung alles religiösen Fühlens und Empfindens überhaupt erblickt. Weil das Leben dem Menschen, sobald das Denken in ihm erwacht, auf Schritt

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