Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 140 (sequence 14)
- Language
- German
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140 mißverstanden, und auch darum, daß er Ihnen noch in einigen Posttagen nicht wird antworten Immen. Er hat indessen alsofort, noch mit der gestrigen Post dem auswärtigen Recensenten Ihrer Schrift die erforderlichen Anweisungen gegeben, worauf derselbe bey Abfassung der Anzeige Rücksicht zu nehmen hat. In der Hauptsache kommen wir, wie ich sehe, alle drey darin überein, daß Ihr Stil für die natürliche Schönheit Ihrer Gedanken zu geschmückt sey, und ich glaube, es muß Ihnen möglich seyn, ohne üppigen Zierat, Ihre geheime Absichten, dem Auge gemeiner Leser zu entziehen. Ob Ihnen gleich diese Regeln der trivialen Aesthetik sicher wohl bekannt sind, so kann ein Wink von einem freundschaftlich wohlgesinnten Beurtheiler doch zuweilen sehr nützlich seyn, und in dieser Betrachtung werden Sie hoffentlich sowohl dem Herrn Nicolai als mir unsere wohlmeinende Erinnerung zu gute halten. Die besten Köpfe pflegen dem Fehler der Ueppigkeit im Ausdruck am meisten unterworfen zu seyn, und es ist desto schwerer sich dafür in Acht zu nehmen, je mehr man durch angesehene Beispiele verleitet wird und in Gefahr ist, das Augenmaß einer richtigen und natürlichen Darstellung der Gedanken zu verlieren und dieses gehet so weit, daß man hierin eben so wenig wie in Absicht der Schönheit seiner Stimme oder des Wohlgeruchs seines Odems sein eigener Richter ohne Partheilichkeit seyn kann. Leben Sie wohl, bester Hennings! Mein Brief ist unvermerkt länger geworden, als nöthig war. Hr. Nicolai's Schreiben*) erfolgt einliegend 'zurück. Ich bin mit aufrichtiger Hochachtung und Freundschaft. . .*. Mit einein Briefe vorn 29. Juli d. I. (K. M. 525) schickt Mendelssohn das ihm von Hennings eingesandte Schreiben des dänischen Ministerpräsidenten über seine Bibelübersetzung zurück. Hier findet sich auch sein bekanntes Urteil über Edelmaun. Am 14. (so statt 13. bei Geiger S. 115) März 1780 berichtet Mendelssohn über eine Rezension derHenningsschen Schrift „Olavides", die Hennings in der von Nicolai herausgegebenen Allgem. deutschen Bibl. gewünscht hatte. Der größte Teil des Briefes ist bei K. M. 528 abgedruckt. Der dort fehlende Anfang lautet: „Mit Nicolai habe ich gesprochen und das Nöthi'ge veranstaltet, daß keine Recension Ihrer Schriften, Ihre Streitigkeit betreffend, künftig cingerückt werde, die er nicht selbst vorher durchsiehet, und wenn es die Zeit zuläßt, auch mir zeigt. Geschmeichelt wollen Sie eigentlich nicht seyn; So habe ich Sie verstanden, aber nur zum Besten der guten Sache, die Sie Vorhaben, und um die Ihnen *) Es ist vom ö. Juni 1/79 datiert und gleichfalls kopiert.