Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 139 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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139 meiden, klein und lächerlich, und das, was man für wesentlich und dem Menschen eigentümlich hält, unwesentlich und geborgt. Vergeben Sie mir meinen Vorwitz zu urtheilen, anstatt urtheilen zu hören. Man mutz bisweilen sündigen, um gebessert zu werden. Der Professor Büsch aus Hamburg hat mir bey seiner Durchreise durch Dresden erzählt, datz der Verfasser der Gedichte eines polnischen Juden*) in Breslau von seinen Glaubensgenossen in enger Verwahrung gehalten wird, weil sie fürchten, datz er, gleich seinen andern Brüdern, zur christlichen Religion übergehen werde. Wieder ein neuer Beweis, datz ein Mensch immer dem andern seine Thorheit aufbürden will, und ihn nicht gönnt, nach seiner eigenen Weise ein Thor zu seyn. Aber es ist doch hart, datz ein Mann, um ein wenig Glauben willen, seine Freiheit verliehre. _ Vielleicht können Sie leicht in Ihres freyen Friederichs Gedankenfreien Staaten dem armen Proselyten seine Bande lösen, denn Sie werden ihn gerne seyn lassen, was er will, und ihn nicht zu Abrahams Schoß, wie La Vater Sie zu des Lammes Thron, nöthigen wollen. Leben Sie recht wohl, liebster und bester Mendelssohn, ich habe mit Vergnügen gehört, datz Sie in der Berliner Bibliothek einen kleinen Beweis der Rückkehr zu Ihrer Feder gegeben haben. Solche Beweise sind der ganzen Welt schätzbar, aber besonders dem, der Sie so liebt und verehret, als ich." Mendelssohn teilt Hennings (Geig. 112) am 24. Jan. 1778 mit, daßVoß in Berlin den Verlag der Schrift Hennings „lieber die Vernunft" übernommen habe; am 8. Mai sendet er ihm nach erfolgter Drucklegung sechs Exemplare des genannten Werkes. In dem Briefe Mendelssohns aus Strelitz vom 29. Juni d. I. spricht er von dem „Rabbi von Altona", der „vor der Hand seine Donnerkeile ruhen" läßt, und über Lessings „Nathan". An diese Briefe reiht sich (bei K. M.) ein Schreiben Mendelssohns vom 13. Juli, in dem er dem Freunde für den gegen den Altonaer Rabbiner und Getroffen gewährten Schutz dankt. „Von denr Briefe", sagt Geiger 113, „fehlt ein großes Stück, das aber in der Copie so geschickt durchgestrichen ist, daß es nicht mehr wörtlich wiedergegebeu werden kann." Wir lassen es hier folgen. „Ich habe dieses Herrn Nicolai bey Ueberreichung Ihres Schreibens an denselben zu erkennen gegeben. Ich soll Ew. Wohlgeboren in seinem Namen um Entschuldigung bitten, datz er Sie *) Von Dr. I. Vehr. Vgl.?>. f. d. Gesch. d. Juden in Deutschl. I. S. 343.