Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 137 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Was sich an Briefwechsel zwischen Hennings und Mendelssohn in dem Nachlaß entdecken läßt, beschränkt sich zmn größten Teile auf Ergänzungen bereits bruchstückweise veröffentlichter Briefe. Wir bedienen uns bei der Wiedergabe der folgenden Abkürzungen: Heu. bedeutet den Henniugs'schen Nachlaß, K. M.- Kayserling, Mos. Mendelssohn, Leipz. 1762, K. Ung.: Kays., M. Mend. Ungedrucktes und Unbekanntes, Leipz. 1883,^ Geig.: Geiger L., Briefe von und an Mendelssohn in d. Zeitschr. für die Gesch. der Juden in Deutschland, Band I, S. 111 fg. Weggelassen sind, als bedeutungslos, ein Brief Mend/s vom 25. Juni^1882 und Hen.'s Antwort auf einen Brief M/s vom 27. Sept. 84. Herr. Bd. 1. Kopie. Antwort ailf Mend/s Brief vom 26. Jan. 76 (Ges. Schr.). „Seit langer Zeit suche ich die nöthige Ruhe, um mich mit Ihnen zu unterhalten: bisweilen hoffe ich, sie gefunden zu haben und oft denke ich, daß ich sie nie finden werde. Wenigstens nie in dem reichen Matze, worinn ich glaube, daß Sie sie besitzen und worinn ich sie zu besitzen wünsche. Aber ich denke, es ist besser, eine gute Sache unvollkommen, als gar nicht, zu thun, und darum schreibe ich Ihnen, um zu erfahren, wie Sie sich befinden, ob Sie noch an mich denken und ob Sie bald Ihre Philosophie wieder vornehmen wollen. Wenn letzteres geschiehst, nehmen Sie mich bisweilen mit zu Ihren Untersuchungen. Ich bin in augenscheinlicher Gefahr in eine gänzliche Unwissenheit zu gerathen. Sagen Sie mir, was Sie von Lavaters Physiognomik halteil, wenn er es nur nicht selbst eingestanden hätte, dah Narrheit mit unterläuft! Jetzt ist es unedel, ihm es nachzusagen. Die Sache selbst mag gut seyn; aber was eine lange oder dicke Nase, ein grotzes oder kleines Augenlied bedeute, läßt sich in einigen Bogen sagen, ohne so viele Ausrufungszeichen, als wenn wir taub, und so viele unähnliche Profile, als wenn wir blind wären. Und dann ist der Stolz der heutigen Schwärmer unausstehlich: es fehlt nicht viel, so baueten sie eine Hölle für die, die mit kaltem Blute zusehen, wenn es nur zwo Höllen geben könnte. Die eine, die da ist, haben einmal die Geistlichen in Besitz, und diese haben wieder ihre besondere Art zu verdammen. Ich vermisse sehr Ihre lehrende Unterredung, liebster Mendelssohn; mein Kopf ist nicht systematisch, nicht richtig; nicht ordentlich genug, um einer Sache lange und ausführlich zu folgen, und sich in den wichtigsten Ideen der Philosophie aus den Verwirrungen zu ziehen, in die ich immer zurückfalle, ungeachtet des, was mir die alten und neuern Socrate und Platoner gesagt haben.