Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 136 (sequence 10)
- Language
- German
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136 Körpern lebende Kraft des Umlaufs und der Bewegung findet wird sich überall die würkende Wärme zeigen: dann erst, wenn jedermann eine Fackel ergreift, um sie von der allgemeinen Heilung zu zünden. S. 82 (81 b spricht er von Spinoza) bekennt Hennings: „Edel und groß schien mir allezeit Mendelssohns Geistes Rühe, und mehrere Philosophen kenne ich, die eben, wie er, die Festigkeit hatten, die Lavater empfiehlt, die aber bey ihm nur noch Anstrengung ist. Seine Stärke ist Vorsatz, Entschließung, Wahl, Beyfall. Nicht Entschlossenheit, nicht Eigenheit, nicht, wenn ich mich so ausdrücken darf, Geistigkeit seines Geistes. Wie ein unruhiges Meer treiben ihn unruhige Stürme. Auch Mendelssohn hatte Freunde und hat sie noch; von Feinden habe ich ihn nie reden hören. Doch waren seine Freunde nicht das, was Lavater, was man gemeiniglich darunter versteht; Mendelssohn hat Freunde, wie Plato, wie Sokrates sie noch unter uns haben. So waren Lessing, Abbt, der. Graf von der Lippe seine Freunde; sein Herz war zu gefühlvoll, sie nicht zu lieben, sie hatten das völlige Vertrauen seiner Weisheit, aber sein Geist war zu frey, zu groß durch sich selbst, auf ihre Freundschaft zu rechnen." Literarische Muster sind für H.: „Vater Hagedorn im geistreichen Liede und Gesänge, Mendelssohn im geschmackvollen philosophischen Vortrage, Abt im blühenden Stile, Utz und Ramler in der Ode, Winkelmann im Malen idealischer Schönheit, Lessing im dramatischen Fache, Wieland einer der Ersten als Dichter und Erzähler, Gesner im Darstellen der Natur, Goethe in der Schilderung überspannter Leidenschaften und Sitten, Gellert und Lichtwehr in der Fabel." Bd. 14, S. 466 heißt es: Doch sind hier die seltenen Männer auszunehmen, deren Namen ein Monument des Ruhmes geworden sind. Wenn ihre Schriften erscheinen, stehen ehrfurchtsvoll Publikum, Recensenten und Dummheit, und errichten einem Mendelssohn Altäre mit weit ausgebreitetem Weihrauch, gleich dem unbekannten Gotte. Die schwarze Zeitung selbst erblaßt, und Dagon fällt in Trümmer von seinem Folianten-Gestelle. Vielleicht bezieht sich auch auf Mendelssohn und Hennings' Vorliebe für ihn die Bemerkung seines Freundes Schmettow (Hennings' Nachl. Bd. 12) in einem Briefe aus Plön, Juni 1793: en . . . souhaitant constanmient de trepasser le plus tot possible d’un delicieux coup d’apoplexie, sans avoir la perfection brillante de passer dans les bras du celebre juif deifie par la petraille.