Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 135 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Eutin 1× ep/1044530
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135 war, daß das dänische Publikum sich beleidigt glaubte, und eine Scene erregte, die Stollberg auf eine kluge Retraite nach einem andern Vaterlande sinnen machte. Er fand in Eutin, was er in Dänemark verlor — das tägliche Brod, — und ward im Dienst des Herzogs Oberschenk und Gesandter in Kopenhagen. Warum Oberschenk, da er so verächtlich von Hosschranzen redet, weiß ich nicht? Die Widerwärtigkeiten, welche Stollberg sich in Kopenhagen zuzog, und die ihn nötigten, fremdes Brod zu suchen, sind die eigentlichen Ursachen seines Hasses gegen Könige, seines Geschreies um Freiheit, seiner Verachtung aller derer, die in Monarchischen Staaten leben. Indem er wähnt, für Freiheit zu athmen, läuft er einer wilden und zügellosen Leidenschaft nach. Stolberg hat nie seinen Haß zu verbergen gesucht. Bei einem ministeriellen Schmause, den der Kayserliche Gesandte gab, verlangte die Gräfin 36 3£., des Gesandten Gemahlin, Hechtsleber von dem Grafen Stolberg, der die Fische vorlegte. Er suchte vergebens nach der Leber. Ala foi, sagt er, ce poisson resemble aux Danois, il lr a ni foi ni loi Der Gesandte, der ein Ministre de paix war, nahm das bon inot sehr übel, und das 0orp8 Diplomatique versicherte, nie so etwas in ihrem Schlosse gehört zu haben. Die Stollberg kannten, wunderten sich nur, daß er, der der französischen Sprache, die schwach und arm mit falschem Sinne buhlt, so oft schmähet, so wie Frankreichs Können und Frankreichs Witz sich zu einem Wortspiel von ie foye und la foi herunterlassen oder ödenmätzig erheben konnte, für das sich ijeder französische Miethlakay geschämt haben würde. Von Mendelssohn spricht Hennings stets in Ausdrücken hoher Verehrung. So heißt es Bd. 2, S. 130: Der weise Mendelssohn hat vor mir die Empfindungen mit Blicken der Wahrheit und mit einem 'Kerzen voll Wärme philosophisch betrachtet. Bd. 27, S. 69, wo von Swedenborg die Rede ist, sagt Hennings: Ernsthaft, will Mendelssohn haben, soll man die ephemerische Thorheit behandeln. Er gibt die itzige Race auf, die damit beschäftiget ist, und will nur die künftige und vorbeugende philosophische Erziehung retten. Freilich ist Ernst der herbeste Spott der Thorheit. Kaum aber ist sie des Ernstes des Philosophen würdig, und, soll ich es rein heraussagen, wenig hat dieser auf die Besserung eines Zeitalters gewürkt. In dem ganzen philosophischen Jahrhundert, in dem wir leben, ist weniger gesagt, als Leibniz schon gesagt hat, und so lange Mendelssohn allein stehet, wird sein Ernst ebenso wenig populaire Wirkung Hervorbringen, als ehemals Leibniz. Nur dann erst, wenn das Licht der Aufklärung in allen Geistern, wie die Strahlen der Sonne in allen 9*